Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 4. Juli 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 4. Juli 1952
Mein liebes Herz!
Erinnerst Du Dich noch, daß Du einmal Deine Berliner Hörer sehr amüsiertest durch die Bemerkung: wir Deutschen hätten von allem immer gleich zu viel. –
Das fiel mir jetzt ein durch diese plötzlich ausgebrochene Hitze. Ich bin besorgt, daß sie selbst Dir etwas zu reichlich sein wird, und hoffe nur, daß Ihr die Wohnung durch gute Lüftung erträglich erhalten könnt. In meinem Zimmer sind 25°R, und es erscheint ganz angenehm. Zeitweise war es noch mehr, da hörte die Gemütlichkeit auf.
Wie sollst Du aber bei diesen Temperaturen die doppelte Last des Semesterschlusses und der notwendigen Danksagungen bewältigen? Wie ist es überhaupt mit dem
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| "Schluß"? Darüber verlautet gegen mich garnichts mehr. Bleibt es dabei? Eine Steigerung ist wohl nicht gut denkbar, aber der Abschied wäre schwer. Das Arbeitsfeld würde nicht enger, aber vielleicht weniger terminbedingt. Ich weiß nicht, was ich wünschen soll! Auf alle Fälle wird Deine Entscheidung das Sinngemäße treffen.
Die Fröbelrede ist nach Hofheim abgegangen. Hoffentlich ist die Übersetzerin begabt. Ich habe mich schwer [über der Zeile] so schnell davon getrennt, denn es ist viel darin, was mir zu denken gab, und was mir diesen phantastischen Theoretiker verständlicher machte. – Hoffentlich wird das Ganze im Druck erscheinen.
Durch viel Trinken und wenig Essen erhält man sich in dieser Dürre. Es ist die richtige Sommerhitze, wie sie in meiner Kindheit in Berlin war, und ich empfinde es als eine
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| Wohltat, daß die Sache nur vorübergehend in Schwüle ausartet. Ohne Rücksicht auf frühere ärztliche Verordnungen trinke ich becherweise Kaffee und Tee, und spüre überhaupt nichts von den Schwächegefühlen, die mich in letzter Zeit viel plagten. Vielleicht war die Enthaltsamkeit gerade verkehrt und da ich von allen Seiten so reichlich die verlockenden Gifte geschenkt bekam, gebrauche ich sie leichtsinnig, solange der Vorrat reicht. –
Wenn Du mal zufällig auch in dem Brief der Maria Dorer die Aufnahme finden solltest, die sie von mir gemacht hat, dann wüßte ich gern Deine Meinung darüber. Mir gefällt sie, und ich nehme sie gern anstelle des etwas blöden Paßbildes zu gelegentlichen Geschenken. Denn das wird nun das letztemal in meinem Leben sein, daß ich mich typen lasse.
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Sage doch, bitte, Susanne sehr vielen Dank für all ihre Postsendungen, zuletzt die Karte vom 30.VI. – Ich habe täglich die Absicht gehabt, es ihr direkt auszurichten, aber Du merkst ja auch an diesem flüchtigen Zettel, daß die allgemeine Auflösung sich bei mir auch als Hirnschmelze zeigt.
Gestern abend war es ganz gemütlich mit den beiden Psychiatern und der zufällig dazu kommenden Frau Buttmi. Von den sonstigen lieben Nächsten in Nähe und Ferne verlautet nichts. Aber Aenne schickte mir einen Ausschnitt vom "Tagesspiegel" mit Bild und Artikel über Dich von Hans Kudszus? – auch eine Sicht echter Anerkennung.
Um 5 soll die Post abgehen, da will ich mich durch die tropische Glut zur Post bewegen und diesen Gruß hinbringen. Möge er Dich gesund antreffen und in harmonischem Nachklang der letzten Wochen. Es grüßt Dich innig
Deine
Käthe.