Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 18. Juli 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 18. Juli 1952.
Mein liebes Herz!
Schon dreimal habe ich begonnen zu schreiben und immer wurde ich unterbrochen. Und das Geschriebene war so dumm und nichtssagend vor lauter Müdigkeit, daß ich es nicht zu schicken mochte. Dabei sind doch meine Gedanken bei Dir zu jeder Stunde und ich bin voll Sehnsucht. Eben beim Nachmittagsschlaf habe ich wenigstens von Dir geträumt, wenigstens von Deiner Gegenwart. In ½ Stunde muß ich zu Fr. Buttmi, die mich mit Bertha zum Tee erwartet. Dann soll auf den Friedhof gegangen werden, da werde ich wohl an dem Abhang vorüber kommen, wo wir am 13. Juli 46 zusammen saßen! Das war
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| damals trotz allen Schrecken eine schöne Stunde! Auch jetzt bin ich so dankbar für all die liebe Nachricht, die Du mir geschickt hast, brieflich und sonst, aber meine Tage sind so von häuslichen Pflichten und Besuch hingenommen, daß ich garnicht zu mir selbst komme. Von dem genußreichen Ausflug auf den Königsstuhl wirst Du durch den Berichte an Susanne gehört haben; gestern wiederholten wir ihn mit Hedwig Mathy, auch vom Wetter begünstigt, bei Sonne und Wind, aber davon werden meine Augen so mitgenommen, daß ich sie am liebsten immer zukneife. –
Ich muß viel Geduld aufbringen, denn ich bin recht reizbar. Die ewigen kleineren Schmerzen machen nervös und das Zusam
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|mensein ist nicht so reibungslos wie mit meiner Schwester und auch die kurze Zeit mit Hermann; das macht mich unzufrieden, vor allem mit mir selbst. Auch muß ich eigentlich mehr Gedanken als sonst schon auf das bißchen Haushalt wenden, daß mir der Besuch was zu essen hat, der vom Dienstag (15.) – Freitag (25.) bleiben will.
Wir haben Sonntag einen neuen Bürgermeister gewählt, und zwar hat es sich für den alten entschieden, der nach der Besetzung abgesetzt wurde. Ich glaube, es war gut so. Und der neue Reg.Präsident für Nordbaden wird allgemein mit Freude begrüßt. So sieht man wenigstens im nächsten Umkreis vertrauenerweckende Entwicklung.
An Dich denke ich in einer eignen Stimmung, gemischt von dankbarer Freude für all
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| die "Liebe vor Gott und den Menschen", die Du erfahren hast, und der unnatürlichen äußeren Ferne, in der dies alles für mich geschah. – Aber Deine beiden lieben Briefe sagten mir ja, daß Du auch dabei meine beständige Nähe fühltest.
Diese wenigen Zeilen will ich jetzt mit zur Post nehmen, denn Du hast ja schon recht lange keine Lebensäußerung von mir gehabt. Ich hoffe, daß es Dir bei aller Belastung gut geht, daß die Wirkung der vielen beglückenden Eindrücke in der Stille fortwirkt. Ich grüße Dich und die "Andern" herzlich und hoffe Dir demnächst auch mal wieder einen richtigen Brief schreiben zu können.
Immer in treuem Gedenken
Deine
Käthe.