Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 23. Juli 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg, 23.VII.1952.
Mein liebes Herz!
Es ist eine Zeit, wie sie einem nicht gefällt; alle Verabredungen versagen, alle Arbeiten bleiben unfertig und nichts will gelingen. Seit 3 Tagen bin ich im Begriff, endlich einmal wieder einen richtigen Brief zu schreiben, aber es war unmöglich, teils durch Verhinderung von außen, teils durch Unfähigkeit. Denn in solchem Kleinbetrieb wie bei mir, macht es doch allerlei Mühe, täglich einen Gast von früh bis spät zu versorgen. –
Ich hatte so große Freude, als Dein lieber Brief kam, denn ich dachte garnicht, daß Du dazu Zeit haben könntest. Und da hoffte ich bei dem Umfang des Briefes, es würde irgend etwas dabei sein, was Dir besondere Freude gemacht hatte. Umso enttäuschender war dieses typische Zeichen von der typischen krankhaften Natur meiner
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| Cousine
. Auch ohne ihre freundliche Mahnung hätte ich in meinem Gedenkbuch die Tatsache ihres 70. Geburtstags gefunden. Ich fürchte, der Tag wird sie noch manche Taktlosigkeit begehen lassen.
Daß ich mich garnicht zu schriftlichen Äußerungen aufraffen kann, hat eine Hauptursache in den dauernden Augenschmerzen. Seit gestern habe ich nun durch Frl. Dr. Clauß ein neues Mittel zum Einträufeln. Vielleicht hilft es. In Gedanken habe ich Dir viel zu sagen. z. B. danke ich Dir nochmals für die 100 M, die nun meines Wissens bis zum 15.VIII. ausreichen, denn als Ihr zur Fröbelfeier durchfuhrt, gabst Du mir auch Geld! Und ich mache ohnehin meist einen Überschuß, was doch nicht die Absicht ist.
In meinem Kalender ist angeschrieben, daß am Sonnabend u. Sonntag: Nauheim zur Sitzung bestimmt wäre. Ich glaube mich zu erinnern, daß Du nicht hinreisen wolltest. Ich würde es sehr begreifen, wenn Du im Augenblick dazu keine Zeit hast, falls Du nicht unbedingt mußt. Ich hoffe aber sehr auf <li. Rand> eine Nachricht, falls Du hier durchkämst! Vermutlich ist Bertha dann fort. <li. Rand S. 1> Ich schreibe diesen Zettel in Eile bei Hedwig Mathy, darum nur noch viel innige <Fuß S. 1> Grüße in ständigem Gedenken von Deiner Käthe.