Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 29. Juli 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 29.Juli 1952
Mein liebes Herz!
Wenn Dich noch ein Gruß in Tübingen erreichen soll, ist es hohe Zeit. Und so will ich Deinen lieben Brief nur gleich beantworten und Dir innig dafür danken. Die Freude über Dein Schreiben war groß, und wohltuend wie der Regen für die verdorrte Erde, aber es schmerzte mich doch, daß Du auch noch diese Mühe haben mußtest, wo Du so über alle Begriffe mit brieflichen Pflichten belastet warst. Da ist mirs ein Trost, jetzt zu wissen, daß Du endlich eine Pause machen wirst und in bekannter lieber Gegend all die Last einmal hinter
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| Dich werfen kannst. Hoffentlich vergeht auch der Schnupfen bald in der guten Waldluft. Hoffentlich wird es Dir wieder behaglich in der Umgebung, die Euch beim vorigen Aufenthalt so gefiel.
Du hattest sehr recht, daß mir der längere Besuch eine Zumutung war, und ich muß leider bekennen, daß ich versagte. Ich sehnte förmlich das Ende herbei, das sich immer mehr verzögerte. Ich hatte persönlich mehr verständnisvolles Eingehen erwartet, aber wir leben doch beide in einer sehr verschiedenen Welt. Bertha ist eine so anhängliche treue Seele und ich habe sie auch herzlich gern, aber ihr Kommen traf einen recht ungünstigen Zeitpunkt bei mir und das bekümmert mich jetzt, weil es nun nicht mehr gut zu machen ist. Erst war
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| garnicht zu erfahren, wann sie kommen würde, dann ging sie für 2 Tage nach Würzburg und blieb 4, dadurch verschob sich wieder die Abreise. Am letzten Nachmittag ging sie zu einer musikalischen Einladung bei Prof. Mündler, dem Astronom, den sie von früher kannte, und damit fiel ein geplanter Abend mit mir im Neckartal fort – und so noch manches. Mit Buttmis hat sie sich recht nett angefreundet und sie durch ihr Klavierspiel gewonnen, sodaß er sie sogleich zu einer Abschlußfeier der Schule anwarb. – Sie hat ein großes Können und beherrscht viel auswendig. Aber es fehlt dem Spiel wie auch dem ganzen Menschen an Weichheit. Doch war es mir neu und wertvoll, sie auch von dieser Seite der Musik kennen
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| zu lernen, die mir aus Mangel eines Instruments bisher verborgen war. Sie macht davon garnichts her, ich wußte nur, daß sie vor Jahren auch öffentlich gespielt hat.
Damit das Kennzeichen dieses Sommers gewahrt bleibe, kommt jetzt, wo ich mit Kohlers wegen ein paar Tagen bei ihnen in der kräftigen Höhenluft in Unterhandlung stehe, eine Karte von Walter, der für 3 Tage nach Heidelberg kommen will. So bin ich recht in Schwulität, wie ich das gut einrichten kann. Denn die Erholung auf dem Katzenbuckel voriges Jahr war so schön!
Möchtest Du doch das Gleiche jetzt in Freudenstadt erfahren! All meine treuen Wünsche werden Dich dort begleiten und heute nimm noch herzliche Grüße, auch für Susanne und Ida von
Deiner
Käthe.