Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 9. August 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 9. August 1952
Mein liebes Herz!
Wie sehr hat mich Deine liebe Karte von der Omnibus-Centrale gefreut, aber daß Dir der eine Tag der Erholung verloren ging, war schmerzlich. Umso besser, daß die Karte vom 8.8. besseres Befinden melden konnte. Du schreibst von vielem Schlafen, aber wie Du das in der kurzen Zeit möglich machtest, ist mir rätselhaft, denn Ihr wart ja bereits in Alpirsbach und machtet eine Tagestour. Freilich in einer anderen Methode als früher.
Inzwischen ist nun hier Walter eingetroffen, und logiert wieder in der Rose. Aber heute kam er von dort in heller Entrüstung, weil sie ihn während seiner Abwesenheit umquartiert hatten. Er bleibt vom 8.–11. und fährt dann nach Minden weiter, aber über Kassel. Es geht mit uns ganz friedlich zu, aber ich bin immer ein wenig in Sorge! Vorhin machten wir einen netten Weg auf den Bierhelder Hof zum Abendessen, aber ein drohender Himmel scheuchte uns etwas eilig nach Haus. Von einem starken
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| Gewitter, das Du erwähntest, haben wir hier nichts bemerkt. Das spielt sich wohl alles jenseits des Rheins ab, wir bekommen hier nur die erdrückende Schwüle und hie und da einige Regentropfen. Vorhin der Weg durch den "kühlen Grund" war wie durch ein gut geheiztes feuchtes Treibhaus. Die Beleuchtung auf dem Rückweg war unbeschreiblich im beginnenden Dämmern, alles Grün der schön geschwungenen Abhänge von einer Intensität der Farbe, wie ich es noch nie so stark erlebte und darüber das einheitliche Dunkel der Wälder; unter den Bäumen glühte dann der Himmel auf wie brennend, ohne eigentlichen Sonnenuntergang, um dann rasch ganz fahl zu erbleichen. Es war sehr schön und geheimnisvoll.
Daß Ihr keine gewagten Touren machen wollt, ist mir tröstlich. Jede erzwungene Leistung würde die knappe Erholung zerstören.
Nach Abkühlung habe ich großes Verlangen. Und daß mit Dielbach vorläufig nichts wird, ist hart. Es wäre mir eine Wohltat für die Nerven gewesen, die ja eigentliche Ursach allen Mißbefindens sind. Schon die zwei Tage am Königstuhl wirkten wie eine Befreiung. –
Für heute nur noch sehr viele herzliche Grüße <li. Rand> und treue Wünsche für Deine Erholung, auch für Susanne.
Deine Käthe.