Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 17. August 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 17. Aug. 52.
Mein liebes, liebes Herz!
Ich mußte so viel daran denken, ob Du nun heute wirklich wieder in Tübingen bist? Warum wohl mußte die kurze Erholungszeit so rasch ein Ende nehmen? Sie war freilich von ungewöhnlich gutem Wetter begünstigt, und so hoffe ich doch, daß daß sie von wirklichem Erfolg sein wird.
Wir haben heute nach zwei besonders drückenden, gewitterschwülen Tagen eine überraschende Abkühlung bei einem Himmel voll zerrissenem
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| Gewölk. Es muß irgendwo im Westen ein schweres Gewitter gewesen sein. Wir haben wenigstens die elektrische Entspannung davon, und das ist eine Wohltat. Es ging einem schließlich jede Initiative verloren.
Heute ist nun Trudel Nitsche für etwa 10 Tage zu Verwandten in Hannover gefahren und ich hüte die Wohnung allein. Vor einigen Tagen war Frl. Held bei mir, die von Stuttgart aus wieder "zur Behandlung" hier war und die mir einen ganz tapferen Eindruck machte. Sie denkt daran, im nächsten Semester ins Examen zu gehen. Sie sei bei den Fackelträgern am 26.VI. dabei gewesen. –  –
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Auch war ich noch einmal bei Frl. Dr. Clauß, die mein Befinden lobte. Ich soll aber die Mittel noch weiter gebrauchen. Jedesmal spricht sie mit sichtlicher Freude von den Päd. Persp., die ich ihr zum 70. Geburtstag schenkte. Besonders ist sie, wie alle, von den 5 Jugendgenerationen angetan. Es ist so fein, daß Deine Psychologie so garnichts Zersetzendes habe. Das entspricht so recht ihrem ärztlichen Heilstreben. – Kennst Du einen Dr. Glockner, den sie näher kennt, und der nach mancherlei nicht unverschuldeten Schwierigkeiten jetzt eine Anstellung habe?
Allerlei Post kommt von Sommerfrischlern: aus St. Georgen, Familie Popp, aus Schloß Tegel von Frau Frobenius, die bei Frau v. Heinz ist. Frau Franz mit Tochter ist aus Freudenstadt
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| wieder hier. – Von den beabsichtigten Briefen ist noch keiner geschrieben, es war eine zu nervenfeindliche Zeit und ich war nicht fähig. Aber gelesen habe ich, um mich abzulenken, und mich an den Briefen der "Frau Rat" erbaut.
Mit Walter sprach ich auch über Ila. Er hat von einem Mathematiker ihre Fähigkeit sehr rühmen hören.
Jetzt will ich ein wenig an die Luft gehen und diesen Brief mit zur Post nehmen. Willst Du das Dokument von Ila wiederhaben?
Auch Mädi schrieb, befriedigt vom Umzug; aber mir scheint, der Mann ist leidend, hat es vom Kriege mitgebracht und soll in Erholung. –
Nun hoffe ich, bald auch von Dir mal wieder zu hören, und zwar recht Gutes über Eure beiderseitige Erholung. Ich grüße Dich innig.
Deine Käthe.