Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 25. August 1952 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 25.VIII.52
Mein liebes Herz!
Mit einem liebevollen Gruß möchte ich Dich bei Deiner Rückkehr nach Tübingen gern begrüßen und Dir sagen, wie leid es mir ist, daß mein Brief mit der Bitte um ein Wiedersehen Dich verstimmte. Ich hatte es einfach für unmöglich gehalten, daß Du in all dieser Zeit nicht irgendeine Möglichkeit finden würdest, mich zu sehen. Daß ich je an Deiner Liebe zweifeln sollte, ist unmöglich. Ist nicht unsre Verbundenheit der tiefste Wurzelgrund unsres Lebens? Ich habe den lieben Brief vom 27. Juni, und ich lese ihn mit Rührung und inniger
[2]
| Dankbarkeit immer wieder. Aber in den späteren Nachrichten tauchte wiederholt die Bemerkung auf: – – "das ließe sich nur mündlich berichten" – und das gab mir die Hoffnung, es läge irgendwie in Deiner Absicht. Daran hielt ich mich und wartete –  – Verstehst Du das wohl?
Ich hatte geglaubt, schon ein nettes Quantum Gelassenheit erworben zu haben. Aber mein Temperament ist nun mal immer noch zu lebhaft. Und so versagte ich nach allen Richtungen. Da half alle Einsicht nicht, und es kamen manch andre Dinge dazu, die mich in "meines Nichts durchbohrendem Gefühle" bestärkten.
Laß das nun, bitte ich Dich innig,
[3]
| vergeben und vergessen sein. Ich will nicht aufhören, Besserung zu erstreben. Es ist doch das Schrecklichste, was mich treffen kann, wenn ich fühle, statt Dir zu helfen, Dir hinderlich zu sein.
Und so sei gegrüßt in immer gleicher Liebe von
Deiner
Käthe.