Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 31. August/1. September 1952 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 31. August 1952.
Mein liebes Herz!
Ich kann Dir garnicht sagen, wie glücklich Du mich mit Deinem lieben Brief gemacht hast, der schon gestern früh bei mir war. Habe innigen Dank dafür; und ich hoffe, daß umgekehrt mein Schreiben vom 29. Dir die Überzeugung gab, daß ich an Deiner treuen Liebe niemals zweifle, daß ich nur schmerzlich gespürt hatte, daß Du für mich eigentlich keine Zeit hattest und nur in Deiner Güte mir die mehrfachen, raschen Nachrichten gabst. Ich aber war naturgemäß mehr denn je bei Dir – oder ist das garnicht möglich? Ich frage mich, ist solche Abhängigkeit noch recht? Wird man damit nicht dem liebsten Wesen zur Last? Das will ich unter keinen Umständen, denn auch mir ist unsre Freundschaft heilig als ein wunderbares Geschenk des Hinmmels. Darum
[2]
| vertraue mir weiter, daß ich den rechten Weg finden werde. –
Zunächst möchte ich da nur bitten, daß Du Dir nicht Mühe gibst, schon vorher zu kommen, ehe es sich günstig in Deine anderen Pläne einfügt. – Daß ich Dir schriftlich mein Leid klagte, und daß Du es so verständnisvoll und lieb aufgenommen hast, das hat physisch und psychisch heilend auf mich gewirkt. —
Damit aber nicht wieder das Hangen und Bangen wieder von neuem beginnt, lege ich Dir die Karte von Mädi bei, die mir schon seit Monaten einen Besuch versprochen hat. Das darf nun unter keinen Bedingungen kollidieren. Deine Termine sind festgelegt, die ihrigen können reguliert werden, und das wollen wir tun. Du gehst mir unter allen Umständen vor, aber auch Mädi liegt mir am Herzen, denn Du weißt ja, daß sie mein Patenkind und mein Liebling ist.
[3]
| Ich werde mich also mit ihr über den Fall ins Einvernehmen setzen. Und Du, mein liebes Herz, sagst mir nach Möglichkeit, welche Tage etwa für Dein Herkommen in Betracht kämen. —
Das Louvaris ausblieb ist ja wohl die Regel! – Aber daß Du Litt treffen wirst, freut mich sehr. Er ist Dir ein echter Freund, und hoffentlich habt Ihr ein gutes Zusammensein, durch keine Sorgen getrübt.
Sehr dringend wünsche ich, daß Du Schweden unter allen Umständen aufgibst. Vielleicht hat dieses internationale Erlebnis auf der Mainau Dich darin bestärkt? Es ist doch wohl Pflicht, Deine Gesundheit solchem Experiment nicht auszusetzen, sondern Deine Kräfte für Deutschland zu sparen. Du hast immer so gut verstanden, das rechte Maß inne zu halten, aber es wird Dir natürlich schwer, jetzt nach
[4]
| den ungewöhnlichen Anforderungen der letzten Monate diesen Raubbau sich erst ausgleichen zu lassen. Noch immer weiß ich übrigens nicht, ob Du wirklich den Winter über noch lesen willst?
Daß die Särge der beiden Preußenkönige vor den Russen gerettet sind, ist tröstlich. Aber wie tragisch ist es doch, daß man sie nun von Ort zu Ort flüchten muß, und sie doch keine bleibende Stätte finden. Ich werde im Geist mit Dir am 14. diesem Schicksal nachdenken. – In unsrer Zeitung steht heut eine sehr scharfe Kritik über die "Formlosigkeit, geradezu Heimlichkeit der Überführung".

1. Sept. Nach zwei gewitterreichen Tagen ist es heute noch immer schwül, und ich bin müde nach einem Vormittag in der Stadt: Rente, Uhrmacher etc. Und so will ich nur noch viel herzliche Grüße anfügen an alle drei Rümeliner. Ich habe mir die Eisenbahnkarte angesehen – könnten wir uns nicht auf Deinem Weg nach Würzburg in Heilbronn treffen. – Auf alle Fälle ist immer mit ganzem Herzen bei Dir
Deine
Käthe.

[1]
|
<oben erwähnte, beigelegte Postkarte von KHs Patenkind "Mädi" Pramann, geb. Ruge>
Dienstag.
Liebes Tante Kätchen!
Dank für Deinen lieben Brief. Der Besuch in Heidelbg. ist für Ende Sept. Anfang Okt. geplant, möglicherweise am 30. Sept. od. 1. Okt. – Lange kann ich ja nicht fort, weil es ohne Mutter ein arger Behelf ist, ich denke mit Reisetagen 5 Tage. Das ist nicht
[2]
| viel, aber besser als nichts. Es ist fest geplant u. in den Wirtschaftsplan einbezogen; nur Krankheit kann dazwischenkommen, aber hoffentlich nicht. Genaues schreibe ich noch. Tausend Grüße!
Deine Mädi.