Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 26. September 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 26. Sept. 1952
Mein liebes Herz!
Es ist zwar nicht ausdrücklich gewünscht (oder "ausdrücklich gewünscht nicht!") dorthin zu schreiben, aber ich habe mich doch so sehr über Deinen lieben Brief gefreut und muß Dir darum gleich danken. Wie gut, daß Du nun wirklich noch einige Tage der Freiheit genießen kannst. Und ich hoffe, daß die Bekanntschaft der kleinen Christiane sich freundlicher gestalten möge mit der Großmutter, als man jetzt denkt. Für den Keuchhusten wird die höhere Luft gewiß günstig wirken. – Es ist doch wohl wirklich sehr richtig von Holzhausens, für das Kind auch die Beziehung zur angestammten Familie festhalten zu wollen. [über der Zeile] Auch außer mit Euch!
Dein Brief an Herrn Buttmi hat gebührend
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| Eindruck gemacht und beide haben mir mit Stolz davon erzählt. – Die üblichen Leseabende haben noch nicht wieder angefangen, sollen aber auf den Freitag verlegt werden. Heut [über der Zeile] abend wäre ich eigentlich mit dem Ehepaar bei Dr. Bleßgen's, aber ich habe abgesagt, weil ich vorher schon zu Hanni Popp, Urenkelin Knaps eingeladen war, und beides nacheinander war mir zu viel. Erst hatte Frau Bl. mir für Donnerstag geschrieben und da habe ich meine beiden "Psychiater" abgesagt, was mich nachträglich recht ärgert, denn daran liegt mir im Grunde mehr. Das Ehepaar [über der Zeile] Matussek aus München war aber nicht bei mir. Vielleicht habe ich mich nicht genug bemüht, auch die Frau kennen lernen. Aber außerdem haben sie ja viel Beziehungen hier und den Vater in Weinheim.
Daß Mädi am 2. Okt. kommen will, schrieb ich wohl schon. Trudel hat mir das Zimmer
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| wieder zur Verfügung gestellt, was den Aufenthalt entschieden behaglicher machen wird.
Von Annemarie Eggert kam heut eine Karte mit der Erklärung, daß ihr Aufenthalt hier keine Zeit für einen Privatbesuch ließ. Sie ist jetzt in Stuttgart Jugendleiterin in einer Kinderbibliothek. Bei der nächsten Gelegenheit will sie aber zu mir kommen.
Gestern gegen Abend kam eine fremde Dame mit einem großen Blumenstrauß und Grüßen von meiner Schwester Aenne! Sie heißt Frau Dr. Maurhöfer, und ich habe schon oft von ihr als guter Freundin sprechen hören. Sie ist hier vorübergehend bei einer Tochter, die im Dolmetscher-Institut studiert und gleichzeitig bei Amerikanern housekeeper ist und fährt von hier zu ihrer ganzen süddeutschen Verwandtschaft, vor allem zu einer Schwester die als Nonne in einem Straßburger Kloster ist. Es war ein
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| hübsches Zusammensein mit ihr, obgleich sie von einer unglaublichen Beredsamkeit ist. Aber alles ist klug und liebenswürdig, und man kann auch seine Meinung einflechten! Zum Schluß kam noch Hanni Popp mit ihrer Einladung dazu und es ergoß sich ein ebenso reicher Redestrom von dieser Seite! Das war ein seltsames Ereignis in meinem sonst so schweigsamen Zimmer.
Aber langweilig ist es mir auch sonst nicht! Vor allem habe ich mich sehr viel mit den Drucksachen zum 27.6. beschäftigt und bin froh, daß Du sie noch nicht ungeduldig zurückerwartet hast. Du sagtest nämlich, Du habest noch irgendwie damit zu tun. Aber ich bemühte mich, möglichst das Wesentliche jeder einzelnen Besprechung festzuhalten, denn es hat doch jeder eine andre Aufnahmefähigkeit, wodurch sich das Bild gestaltet.
Jetzt aber ist der Bogen zuende und der Tag auch. Er war bei starkem Wind sonnig geworden, und so erhoffe ich gute Tage für Euch, wenn auch das <li. Rand> Barometer dauernd fällt. Auch was mir durch Elisabeth Vetter und [li. Rand S. 3] den Berliner Besuch an Nachrichten zuwehte hebt den Barometerdruck nicht! [li. Rand S. 2] Aber die Aussicht auf den 7.10. hebt ihn umso mehr.
[li. Rand S. 1] Es grüßt Euch herzlich Deine Käthe.