Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 23. November 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 23.XI.52
Mein liebes Herz,
habe Dank für die Übersendung der Fröbelrede, die mir am Tage Eurer Abreise in die Schweiz einen lieben Gruß brachte. Und heute nun vermute ich Euch zurückgekehrt, denn Du wirst nach den Reisestrapazen wohl einen Tag Pause haben wollen vor dem Colleg. Meine Gedanken haben Euch treu begleitet und ich bin sehr gespannt auf Deinen Bericht. Wo mag in Zürich die Feier der Überreichung von Dokument und Medaille gewesen sein? Leider habe ich keine rechte Erinnerung mehr an die wichtigen Baulichkeiten dort, mehr nur an die landschaftliche Situation. – Hier haben wir Stürme und trübes Wetter in Fülle gehabt, sodaß ich Euch herzlich etwas Anderes wünschte. Hoffentlich
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| ist es für Beide ohne Erkältung abgegangen.
Bei mir haben die Zukunftspläne einen Schritt vorwärts gemacht. Ich will Dir, wenn Du erlaubst, mal erzählen, wie ich die Entwicklung am liebsten hätte. Also: zur Aufnahme für mich ist der Herr Rieker durchaus bereit und meint auch, daß die Geldmittel mit Beisteuer von der Stadt ausreichten. Deshalb bitte ich Dich, keinesfalls irgend welche Zahlung anzubieten, denn es wird nicht verlangt. Ich aber wäre froh, wenn Du von solcher ständigen Belastung frei sein könntest. Die 10 M monatlich, die mir bei der städtischen Fürsorge blieben, würden ja für etwaige Anschaffungen, die bei den alten Sachen an Möbeln und Kleidung nicht ausbleiben, keinesfalls reichen und da würde ich Dich dann um Deine Hülfe bitten, die immer
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| so treu bereit für mich ist. Auch würde ich es sehr vermissen, wenn ich garnichts mehr übrig hätte, Besuch bei mir zu haben oder Kleinigkeiten zu schenken!! – Über das Bankkonto und die Sparkasse habe ich den Herrn informiert, und nach allen Einzelheiten erklärte er mir, daß er kein Hindernis sähe und mich gern aufnehmen würdex [li. Rand] Termin noch nicht genau zu bestimmen., weil er glaube, daß ich mich mit den Andern "gut vertragen würde". Frl. Seidel meinte schon, daß sie gern dort "gebildeten" Nachwuchs hätten! – Du weißt ja, daß ich von Deiner Unterstützung 300 M erübrigt habe. Sollte es erwünscht sein, so könnte ich diese gegen Bescheinigung für die Baukosten geben, von denen Herr R. neulich sprach. Es ist mir ja überhaupt unangenehm, sie im Haus zu haben.
Das ist nun ein recht nüchterner Bericht,
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| der aber hoffentlich Deinen Beifall haben wird. Allerlei unge­wohnte Schmerzen veranlaßten mich, Frl. Dr. Clauß aufzusuchen, die mir auch die gewünschte Bescheinigung meiner "Heimbedürftigkeit" sogleich schrieb, und sehr für den Gedanken eingenommen war. Krank bin ich nicht, aber manche Arbeit, besonders jetzt im Winter, wird mir tatsächlich schwer. Es ist ein Gefühl in mir, daß die Situation reif ist zur Veränderung.
Von hier ist sonst nichts zu berichten. Die Bestattung von Paula Seitz klingt noch beweglich in mir nach. Welch bleibende Wirkung hat diese stille Existenz in dem engen, kultivierten Stübchen in dem Lebenskreis um sie hinterlassen. Es ist schön, sie gekannt zu haben. – Dich soll nun aber dieser "Bericht aus der Realität" möglichst bald erreichen, und ich hoffe, Du verstehst meine Einstellung zur Sache.
Ich grüße Dich innig in immer gleicher Liebe, und grüße auch Susanne und Ida.
Deine
Käthe.