Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 15. Dezember 1952 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 15.XII.52
Mein liebes Herz!
Wie froh bin ich über die Aussicht, die Du mir für den 28.XII. eröffnet hast. Ich bin gleich zur Bahnauskunft gegangen und erfahren, daß es Sonntagskarten nur nach Mühlacker oder Stuttgart gibt. Die Fahrt bis St. wäre mir ja nicht zu viel, aber Du bist dort doch so bekannt, daß wir schwerlich dort allein blieben. Aber Mühlacker – Maulbronn wäre doch wohl eintönig und wahrscheinlich aufgeweichter Boden. Daß Du hierher kämst, möchte ich nicht, weil Du da garzu viel und zu früh fahren mußtest. Für mich ginge nach Bietigheim ein Zug 9.16 um 10.51 dort und zurück 20.07 hier 22 – das wäre gewiß auch für Dich praktisch. Also bitte, bestimme.
Und nun die Rückfahrt von Hamburg! Es ist eine Neuigkeit, daß Du verständiger Weise den Schlafwagen benutzen willst, der geht allerdings
[2]
| über Mannheim, sonst ist nur ein andrer Wagen im Zuge, der über hier umgeschaltet wird. Also wäre nur zu überlegen, ob ich um 10.58 in Mannheim Euch begrüßte? Ich glaube beinah, das wäre zu ungewiß, ob das klappte.
Belebt durch Dein liebes Schreiben habe ich gleich heute noch die üblichen Tannenzweige für das "Bäumchen" besorgt, wozu ich mich bisher nicht aufschwingen konnte.
Aber es wird einen netten Eindruck machen für den Besuch, den ich nun vermutlich am 25. etc. zu erwarten habe, da ich den 28. als besetzt heute noch meldete. –
Für Dich werde ich dann für den 16.1. auf bestimmte Meldung Platz bei Rodrian bestellen.
Du schreibst von Schwenningen, wo es trotz des häßlichen Wetters recht hübsch gewesen zu sein scheint. Aber wo blieb Kalw? und was ist das mit Kapf? Davon habe ich nichts erfahren; wenn es also kein Irrtum ist, daß
[3]
| Du mirs mitgeteilt hättest, ist eine Nachricht verloren gegangen. Ich hatte die Karte aus Burgdorf und einen Brief vom 27.XI. aus Tübingen. Von da ab nichts.
Am Freitag werde ich lebhaft Deiner in Hamburg gedenken. Die "ausgleichende Gerechtigkeit" in Bezug auf das Hotel wird vermutlich auch ihre Schattenseite haben. Da rechnet man wahrscheinlich mit Deinem Schweizer "Preis", der aber nicht in Deutschland nutzbar wird. – Du siehst überhaupt, daß das bei andern garnicht so üblich ist, nur um der Sache willen seine Kräfte einzusetzen. Andre verstehen sie viel lukrativer zu nutzen.
Was übrigens das Kohlentragen betrifft, so habe ich die Möglichkeit einer Hülfe wohl überlegt, aber so einfach wie Du meinst, ist das durchaus nicht. Ich habe es als zweckmäßig befunden, noch eine Kohlenfüller für 4,90 zu kaufen,
[4]
| wodurch ungefähr so viel von meiner Monatsfrau in Vorrat heraufgeholt werden kann, wie ich von einem ihrer Diensttage zum andern brauche. Ich scheute nur diese Ausgabe, weil sie vermutlich bald überflüssig sein wird, und ich deshalb gern unnötige Anschaffungen vermeide und mich mit dem alten Kram behelfe.
Übrigens kann ich Dir melden, daß ich seit heute eine merkliche Abnahme der lästigen Nervenschmerzen bemerke und so hoffe ich, daß das so bleibt.
Dir, mein liebes Herz, wünsche ich, daß Du all die Ehrungen und Verpflichtungen gesund überstehst und nur gute Eindrücke davon mitnimmst. Und auf das Wiedersehen am 28. freue ich mich. – Viel herzliche Grüße, auch an das Zubehör!
Deine
Käthe.