Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 25. Dezember 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 25. Dez. 1952
Mein liebes Herz!
Erst spät kam ich gestern abend zum Lesen Deines lieben Briefes nach einem etwas dramatischen Anfang des sonst sehr netten Besuches von Anneliese Eggert, die mir gut gefällt. Ihr Zug kam nämlich erst nach der letzten Elektrischen an, die schon um 20.48 aufhörte, sonst bis 23 etc. – Ich erfuhr das erst mittags bei Buttmis, daß dies am Hlg. Abend üblich ist, entschloß mich daher, sie am Bahnhof abzuholen und wir fuhren dann zusammen per Taxe zu mir. (Sie ließ es mich aber durchaus nicht bezahlen).
Jetzt aber zuerst mal vielen herzlichen Dank für Dein Schreiben mit der eingehenden Beschreibung der Hamburger Festlichkeit, die so erfreulich an sich, doch eine große Strapaze gewesen sein muß, aber doch wohl durch die Gesamtstimmung belebend. Mildernde
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| Umstände waren gewiß die vornehmen Bedingungen der ganzen Veranstaltung. Daß Du der Sache den entsprechenden Wert durch Deine Rede geben würdest, war wohl selbstverständlich. Ich hoffe, sie wird auch anderen armen Sterlichen zugänglich. – Es so schön, daß dies kommende Jahr so allgemein im Zeichen Goethes stehen soll. Habe Dank auch für den Kalender. Einen Alpenkalender mit Monatssprüchen von Goethe bekam ich auch von Annemarie, schade, daß ich nicht den an Susanne schickte. Der ist viel besser als der Heidelberger.
Von sonstigen Einzelheiten hoffe ich Dir ja mündlich zu erzählen. Das Wetter ist anscheinend in der Besserung und Deine sorglichen Vorschläge leuchten mir sehr ein. Den Zug 17.30 kann ich gut benutzen, die Anschlüsse werden ja abgewartet und 4 Minuten sind lang.
Mein Besuch will morgen nachmittag wieder zurückfahren hat am Sonnabend Dienst. Sie ist im Amerikahaus in der Kinderbibliothek
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| angestellt. Es ist ziemlich anstrengend, macht ihr aber Freude. – Leider hat sie gerade jetzt einen Stirnhöhlenkatarrh mitgebracht, wie das leider oft auf Ferientage fällt. Heut vormittag war sie allein in der Stadt, nachmittags fuhren wir bis Neckargemünd und sie hatte Freude an unserm immer schönen Neckartal; der Fluß ist schon bedeutend im Fallen, ich sah ihn leider nicht zur Zeit der größten Wasserhöhe.
All meine guten Schreibevorsätze und alles Andere ist sehr in Rückstand gekommen. Ich lasse mich nur von allen Seiten durch liebe Grüße verwöhnen und will mir durch das Schuldgefühl nicht die Freude daran verderben lassen. – Und Du mit Deinem treuen Pflichtgefühl sitzt jetzt bestimmt wieder ununterbrochen am Schreibtisch! Möchte der Abstecher nach Bietigheim gelingen und Dir – (u. mir!) – Freude bereiten.
Grüße die beiden Andern und freue Dich auf den 28. ebenso wie
Deine
Käthe.