Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 29./30. Dezember 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 29.XII.52
Mein liebes Herz!
Es ist mein lebhafter Wunsch, daß Deine Rückfahrt ebenso glatt und gut verlaufen sein möge wie meine eigne. In Mühlacker stand an demselben Bahnsteig der Zug nach Bruchsal bereit und dort fand ich nach erst falscher Auskunft! durch Anfrage an der Sperre das richtige Gleis, wo ich noch 10 Minuten warten mußte. Beide Male fand ich fast leere Abteile und kam hier pünktlich an, war 20½ zu Haus. Wenn ich klug gewesen wäre, in Kirchheim auszusteigen, wäre das vielleicht noch früher möglich gewesen, aber die Elektrische geht dort nur selten, und zu Fuß war mir der Weg dort ungemütlich im Dunkeln.
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In Gedanken war ich noch lange bei dem Erlebnis des Tages, für den ich Dir innig dankbar bin. Daß Du mir so viele Stunden geschenkt hast, und daß die Sonne ihnen so freundlich schien das war besonders schön. Wie immer fand ich mal wieder die Worte nicht für so manches, was mir auf der Seele lag. Aber es ist eigen, daß es mich nicht bedrückt, sondern ich fühle doch ein stilles, beglückendes Einverständnis zwischen uns. Fern der Welt, die Dich jetzt so eifrig feiert. –  –
Bietigheim ist ja keine Sehenswürdigkeit, aber ganz klar über die Situation bin ich nicht geworden: die zweierlei Wasserläufe, der große Bogen der Bahnlinie, das alles möchte ich mal auf einer Landkarte sehen! Frau
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| Buttmi
strömt über von Lob für Besigheim, von dem Du ja mehrmals auch sprachst. Aber eigentlich ist mir der Hintergrund doch nicht von solcher Wichtigkeit, sofern er nur nicht störend ist. Mir das Liebste ist unser Heidelberg und da hoffe ich nun wieder auf die Zukunft. Teile mir doch, bitte, die Bedingungen mit, sobald sich alles entschieden hat. Und auch die Möglichkeit für den Besuch des Vortrags! Dir würde ich und meine Begleitung absolut nicht lästig fallen, nur ist es wohl natürlich, daß ich Dich gern auch mal wieder reden hörte. Die O.E.G. (Elektrische) hält direkt vor der Handelshochschule (oder wie das Institut heißt) und auch wenn der Vortrag im Museumssaal? stattfände, wäre er leicht erreichbar.
Gestern abend habe ich zum Einschlafen noch einmal den "Kleinen Prinz" vorgenommen,
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| und ich denke, daß mein Urteil wohl etwas sehr stimmungsmäßig war. Die Hauptsache aber sei, daß die ursprüngliche Ausgabe sehr reizvolle Bilder haben soll, die den zusammenhangslosen Text vermitteln.
Alle meinen stillen Wünsche für Dein Ergehen im kommenden Jahr sind diesen Zeilen eingeschlossen. Ein feierliches Schreiben wird kaum zustande kommen.
Also grüße Susanne und Ida vielmals und sei selbst innig gegrüßt von
Deiner
dankbaren Käthe.

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30. Dezember 1952
Fortsetzung!
Diese Zeilen mißfielen mir so, daß ich gern heut einen andern Brief geschrieben hätte, aber am Vormittag war allerlei bereit, und am Nachmittag war ich von Frau Buttmi geradezu gezwungen, einem "Kaffee" beizuwohnen, mit Frl. Stutz und den Mietern im Hause Buttmi Frau von Fölkersam und ihrer Mutter. Es war erträglich, aber sehr gegen meinen Wunsch, denn ich hatte schreiben wollen, und nun kommt es erst morgen, Sylvester, dazu, denn jetzt bin ich zu müde, und darum mußt Du mit dem nüchternen Bericht vorlieb nehmen. Für das Übrige hoffe ich auf die Annahme, die alle Menschen jetzt haben: daß die Post an der
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| Verzögerung schuld ist. Ich denke mit Schuldgefühl an Deine Pflichttreue, die sicher wieder unter der Last der Verpflichtungen seufzt, aber standhält. – Morgen und übermorgen hoffe ich, das Nötigste zu erledigen, aber abends in der Stille Einkehr zu halten in dankbarer Rückschau auf ein von unendlichem Reichtum gesegnetes Leben. Und unsere Gedanken werden sich begegnen. – Bei Deinen Hausgenossen entschuldige mein vorläufiges Schweigen und grüße und danke von mir.
Mit Dir aber gehen all meine treuen Wünsche in das neue Jahr – immerdar. In immer gleicher Liebe
Deine
Käthe.