Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 1. Januar 1953 (Tübingen)


[1]
|
<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

1.I.53.
Meine einzige Freundin!
Als ich Dich am Sonntag in dem überfüllten Zuge sah, war ich sehr besorgt. Aber bis Mühlacker waren es wohl nur etwa 25 Minuten. Es beruhigt mich, daß Du sonst eine ruhige [über der Zeile] erträgliche Fahrt gehabt hast und daß ich nicht fürchten muß, das ganzen Unternehmen sei für Dich zu anstrengend gewesen. Die Romantik von Bietigheim war ja dürftig. Aber im Winter ist so etwas immer ein Wagnis; das Wetter war schön und – der Hintergrund ist ja gleichgiltig. Das nächste Mal lieber wieder Maulbronn! Vorher aber Heidelberg. Das Nähere werde ich rechtzeitig mitteilen.
Auch mein Zug war überfüllt. Erst nach 10 Minuten entdeckte ich, daß ein freier Platz mir durch einen Mantel verdeckt war. Die ganze dusselige Bande stand im Gang und hatte sich das gefallen lassen.
Am Montag habe ich mit Flitner einen ganz hübschen Spaziergang gemacht. Silvester waren wir – bewegungshalber –
[2]
| im Eyachtal, im Anmarsch auf Bad Imnau, das wir aber nicht ganz erreichten. Ich muß Überanstrengungen vermeiden.
Sonst habe ich überwiegend Briefe geschrieben oder diktiert. An einem Tage sind – mit Drucksachen – ca 90 Postsendungen hinausgegangen. Zu schaffen ist es bei aller Anstrengung nicht. Eine Rolle spielte u. a. die schon alte Einladung nach Schweden. Ende März oder Mitte April soll nun diese weite Reise gewagt werden.
Die "Pädagogischen Arbeitsblätter", ursprünglich ein Organ der schwäbischen Junglehrer, hatte mich um ein Geleitwort für 1953 gebeten. Ich habe an einem Abend in 1½ Stunden den Scherz hingeschrieben, den Susanne mir gleich weggenommen hat, um ihn Dir zu senden. Einen anderen Ulk aus der Neujahrsnummer der "Stuttgarter Nachrichten" hoffe ich Dir später noch senden zu können.
Nun sollten eigentlich die Wünsche zum neuen Jahr post festum nachgeholt werden. Aber das wäre ja unter uns fast seltsam, wenn wir uns so etwas Terminbedingtes schrieben. AEI. Nur Susanne und Ida wollen zu Worte kommen, in deren Namen ich also alles Erfreuliche wünsche.
Innigst
Dein
Eduard.