Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 29. Januar 1953 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

29.I.53.
Meine einzige Freundin!
Ich bin etwas in Sorge, daß die schrecklich verbreitete Grippe etwa auch Dich erreicht haben könnte. Denn seit dem 19.I habe ich nichts von Dir gehört. Andererseits hast Du mir einen sehr schönen Brief mit auf den Weg gegeben, den ich noch nicht beantwortet habe und der ja auch nicht angemessen beantwortet werden kann. Sollte aber, was ich nicht hoffen will, doch jener unerfreuliche Gast bei Dir eingekehrt sein, so weißt Du, daß Du keine Ausgaben scheuen sollst, um Dir alles zu erleichtern. Frau Buttmi würde gewiß den "Außendienst" übernehmen. Rum hast Du wohl im Hause u.s.w.
Und wie hat sich die Angelegenheit der Veränderung im Hause weiter entwickelt?
Es war sehr schön, daß wir neulich auf bekannten Straßen am Neckar gegangen sind. In Tübingen bin ich ziem
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|lich erschöpft eingetroffen. Alles, nicht nur ich, ist hier immer müde, obwohl es sonst im Augenblick garnicht so anstrengend ist.
Der arme Heuschele in Waiblingen aber hat den Typhus!
Wir sind am Samstag durch den Wald von Bebenhausen nach Entringen gegangen. Sonst hat sich nichts von Belang ereignet. Morgen Nachmittag denke ich nach Karlsruhe zu fahren, dort zu übernachten und von dort aus – abgeholt und zurückgebracht – in Germersheim zu missionieren. Gestern waren wir bei der Tochter Budenbender. Wir lassen uns dort selten sehn, weil es etwas zu epikureisch für uns ist.
Es wäre mir lieb, wenn morgen noch eine Zeile von Dir käme, die mich beruhigt. Denn die Jahreszeit hat ihre Tücken.
Innigst dankbar für den 18.I und [über der Zeile] mit vielen herzlichen Grüßen, auch von S und I
Dein
Eduard.