Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. Februar 1953 (Tübingen)


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Tübingen, den 22. Februar 53
Meine einzige Freundin!
Es ist noch etwas zu früh, um einen Geburtstagsbrief zu schreiben. Da aber die Pause unter dem Zwang der Umstände schon etwas größer als sonst geworden ist, so wirst Du mir erlauben, brieflich 2 Tage zu früh, persönlich 2 Tage zu spät zu erscheinen. Das gleicht sich dann gerade aus.
Die neue Nachbarschaft äußert sich hoffentlich nicht nur durch erfrorene Küchenuhren und durch Krach im Nebenzimmer, sondern auch in erfreulicheren Zeichen. Wenn die Kinder mehr hinauskönnen, dann wird es im Hause wieder ruhiger werden, und abends gehen sie doch wohl früh schlafen. Wie alt sind sie denn? Die Küche wird inzwischen fertig sein, und die Renovierung war wohl einmal
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| nötig.
Ich habe inzwischen am 14.II in Stuttgart vor überfülltem Hause mit bestem Erfolg geredet. Hinterher war noch ein kurzes ganz nettes Zusammensein im Privathause. Gestern bin ich zu einer Sitzung in Baden-Baden gewesen. Unterwegs geriet das Auto ins schleudern, und wenn der Straßenrand nicht eine ebene Schneemasse gewesen wäre, wäre ich nicht zurückgekommen. 2½ + 2½ Stunden Autofahrt ist außerdem furchtbar anstrengend. Der Rückweg ging durch Dir bekannte Gegenden: Gernsbach, Herrenalb, Dobel, Calmbach, Hirsau, Calw. Bei einem ½ stündigen Aufenthalt in Calw besuchte ich Nieschling, ohne ihn zu treffen.
– Die übliche Unterbrechung durch 3 Besuche.
In einer Stunde ist hier Studentengesellschaft, mit uns zusammen 17 Personen
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| und ich bin schon jetzt so gut wie entkräftet.
Also nur noch das Programm: Am Freitag 27.II. hoffe ich, um 13.17 in Heidelberg einzutreffen. (Der frühere Zug wäre mir bei der Länge des Tages zu anstrengend.) Ich bin diesmal in der "Goldenen Rose", Anfang der Hauptstr., einquartiert, weil Denner nicht frei hatte. Wir werden uns ansehen, ob man in dieser "Rose" essen kann. Um 15 Uhr muß ich zu einer Sitzung in der Akademie sein. Diese Sitzung wird wahrscheinlich am Abend 20.30 in Mannheim fortgesetzt. Ich übernachte aber in Heidelberg. Am ganzen Samstag bin ich zur Sitzung in Mannheim. Am Sonntag Vorm. bleibe ich noch in Heidelberg. Aber nach unsrem gemeinsamen Mittagessen werde ich abfahren müssen – um nach diesen stark besetzten Tagen auszuruhn.
Zum Schluß noch eine wenig angenehme Nachricht. Am 27.II wird das Haus Fabeckstr. 13 gemäß Telegramm
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| Knall und Fall freigegeben. Es entsteht also – ohne Übergang – die Sorge, wie man es nun verwertet. Unser "Agent", der Dr. Lieber in Berlin, hat immer wenig Zeit und ist in solchen Sachen naturgemäß nicht besonders geschickt.
Unser "Kultminister" scheint in allen uns Tübinger angehenden Fragen nachgegeben zu haben, was nun auch eine unerfreuliche Folge haben wird – nämlich daß er bleibt.
Ich hoffe, Ende der Woche ein mehr geburtstägliches Gespräch mit Dir haben zu können. Bei diesem Brief mußt Du sorgsam zwischen die Ritzen der Zeilen schaun. Du wirst da alle unwandelbaren Gefühle und treuen Wünsche finden. Im Augenblick bringt es die äußere Sprache wegen Müdigkeit (draußen 11° Wärme) nicht heraus. Susanne und Ida senden auch herzliche Geburtstagswünsche.
Innigst
Dein
Eduard

[li. Rand] Daß Wenke zum Rektor gewählt ist, hast Du wohl in der Zeitung gelesen. Und Ursula Wenke hat die Prüfung für das Gymnasium bestanden.