Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 8. März 1953 (Tübingen, Postkarte)


Tübingen, 8. März 53.   M. L!  Nur eine "Zwischennachricht" aus wechselvoller Tätigkeit. Ich bin schon wieder zweimal unterwegs gewesen: vorgestern in Cannstatt (Unesco), gestern in Aalen. Der Vortrag über "Lebensalter" dort ist gründlich mißlungen, rein wegen technischer Mißstände: eisiger Zug in den Rücken von der Bühne her, der mich zwang, mich von Zeit zu Zeit in den Theatervorhang hinter mir zu hüllen, kein Licht am Pult und Lage zu tief, so daß ich nichts lesen konnte.
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| Dies alles, obwohl ich vorher auf diese Bedingungen extra aufmerksam gemacht hatte. So ein Gestoppel gefällt aber hierzulande, und der Beifall war groß. Auch entschädigte angenehmer Abend im Elternhause einer netten ehemaligen Studentin. Nachts in u. außer dem Hôtel Radau, so daß ich wenig geschlafen habe und noch jetzt sehr müde bin. Ich arbeite an dem neuen Aufsatzbuch für die künftige Magnificenz zum 50. Geburtstag, muß aber daneben noch 3 (!) Vorträge für Stockholm in knapp 14 Tagen fertigstellen. Es ist wirklich nicht wenig. – Wenn Du mal in die Stadt kommst, besorge mir doch wieder die guten "Soennecken, Bremer Börsenfedern F". Von den 12 Dutzend sind nur noch 3 [über der Zeile] Stück da. Das ist aber keine neue Schnorrerei! – Sei vorsichtig beim Ausgehen in der scharfen Märzluft. In unsrer Gegend fiel gestern wieder Schnee. Die Leber, die Du nicht bekommen hast, wird nachgeliefert. Grüße bitte Frau Wüst und "die anderen", wie ich und "die anderen" Dich herzlichst grüßen.
Nochmals vielen Dank für den 1. März und alles Liebe von Deinem
Eduard.