Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 16. März 1953 (Tübingen)


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Tübingen, den 16.III.53.
Meine einzige Freundin!
Die Arbeitsanforderungen sind hier einmal wieder recht anspruchsvoll gewesen, weil die verschiedensten Ansschlüsse erreicht werden mußten. Ich wünsche nur, daß ich noch bis Anfang April zusammenhalte.
Dir habe ich für die verschiedensten schönen Gaben zu danken. An die Spitze möchte ich eigentlich die Naturfeder stellen. Ich habe selten so etwas Wunderschönes gesehen. Man sieht doch, daß die Natur mehr kann als wir. Bei den Stahlfedern hast Du Dir das Verdienst erworben, zu bemerken, daß mir nur mit der Originalmarke gedient ist. Hier werden derartige Idiosynkrasien in der Regel als unberechtigt abgelehnt. Die Zigarren waren auch
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| gut und willkommen. Ich möchte aber nicht, daß Du zu tief in Deine Geldtasche hineinsteigst. In Sa. vielen Dank.
Die Karte an Ida ist weitergegeben, und es folgt nun wieder ein Dank zurück.
Die Begegnung mit Frau W. im Zusammenhang mit dem Wohnungsamt deute ich so, daß da wohl irgend eine schwache Stelle ist. Dann werden die Menschen meistens agressiv. Ich hoffe aber, daß es zur vollen Verständigung gekommen ist und daß es sich hier nicht um ein ungünstiges Symptom für die weitere Entwicklung gehandelt hat.
Wolfgang Scheibe, mit dem ich nie eine Verbindung gehabt habe, hat mir mitgeteilt, daß Lili Scheibe Halle, Lindenstr. 4, am 1. April ihren 80. Geburtstag feiert. Vermutlich hat er Dich auch daran erinnert.
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Am 7. März habe ich in Aalen ein Vortrag gehalten, der nicht gut gelungen war; aber hinterher war ein nettes Zusammensein in einer Familie. [re. Rand] } schon erwähnt.
Sonst habe ich 3 Sachen niedergeschrieben, 2 für das Buch, 1 (im ganzen sollen es 3 werden) für Schweden. Susanne schreibt von früh bis spät ab. Dieser Stil muß auch einmal eine Unterbrechung erfahren.
Hier noch einmal das Programm:
21. März früh Abfahrte v. hier, an Hamburg gegen 23.
22. März früh Weiterfahrt, Ankunft in Stockholm 23.III. morgens.
Am 24. u. 25. März die 3 Vorträge.
Ich will am 26.III abends abreisen und wieder in Hamburg übernachten.
Die Fahrt v. Hamburg nach Tübingen am 29.III ist vielleicht nicht empfehlenswert. Es ist der Tag [re. Rand] ! vor dem Konfirmationssonntag. Deshalb würde ich mich, wenn es sonst erträglich ist, einer Verlängerung des Aufenthalts in Stockholm nicht wiedersetzen. Wie der Plan jetzt ist, geht unser Zug sowohl hin wie zurück leider über –
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| Würzburg. Sollte sich für die Rückfahrt etwas in der Weise ändern, daß wir zu einer möglichen Tageszeit durch Heidelberg kommen, würde ich telegraphieren. Bitte also über ein Telegramm nicht beunruhigt zu sein.
Heute, morgen und übermorgen habe ich je 10 Staatsprüfungen. Es bleiben also für Erledigungen hier und Vorbereitungen auf die (kostspielige) Reise nur Donnerstag und Freitag. Eine Adresse in Stockholm kann ich nicht angeben. Notadresse wäre die Deutsche Botschaft in Stockholm.
Ungern gehe ich aus den Anfängen des Frühlings in den hohen Norden. Im April muß ich dann wirklich einmal ein paar Tage Ferien haben.
Es entsteht eine kleine Pause in unsrem Briefwechsel. Ich möchte darüber beruhigt sein, daß Du mit den schnell wechselnden Märztemperaturen vorsichtig bist. Laß es Dir in jeder Beziehung gut gehn und sei herzlichst gegrüßt. Natürlich auch von Susanne.
Im April komme ich mal wieder durch.
Innigst
Dein
Eduard.

[li. Rand] Heute Abend spricht hier in der sog. Mittwochsgesellschaft der General Speidel. Ich muß also noch fort.
[Kopf] Auf die Diebstahlanzeige hin hat sich nichts gerührt.