Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 17. April 1953 (Überlingen, Postkarte)


Überlingen, den 17.IV.53.   2 Stunden vor Abreise.  M. L!  Von Wetterglück können wir diesmal nicht reden. Es war eigentlich nur 1½ Tage schön. Trotzdem habe ich mich gut erholt u. bin mit dem Aufenthalt sehr zufrieden. – Mittwoch, am 3. Regentage, fuhren wir doch mit dem Schiff nach Unter-Uhldingen, um durch den Wald nach Meersburg zu gehen. Der Weg hat sich in der Mitte ungefähr so erhalten, wie er "zu unserer Zeit" war. Gegen Schluß kam ein solcher Guß, daß wir auf die Fahrstr. am See mußten, wo uns die Autos wie aus Kübeln
[2]
| anspritzten. Meersburg, fast menschenleer, wirkte insofern anziehender als sonst. Zurück mit dem leeren Dampfer. – Gestern haben wir trotz ständig drohenden Regens Großes geleistet. Um 9 mit Bahn nach Espasingen, von da nach dem "mondain" gewordenen Bodman. Die Wege von dort am See weiter waren kaum passierbar. Wir wollten diesmal durchaus über Kargegg, fanden aber nur einen Anstieg, der bis in die Nähe v. Langenrain führte. Da wußte ich noch so ziemlich Bescheid. Wir aßen in der völlig vereinsamten Rouine eine Wurst. Dann durch die schwierige Marienschlucht wieder an den See. Über viele glitschige Stellen nach Wallhausen, wo das Wirtshaus jetzt besser ist. Dort Kaffee. Von Dingelsdorf um 17 mit dem Dampfer zurück nach Überl. Im ganzen wohl ein Weg von 5½ Stunden. Ich war selbst erstaunt, daß ich das noch kann. Allerdings war es frisch-kalt.
Am 26.IV muß ich schon wieder nach Bremen abreisen. Am 30.IV habe ich in Speyer zu reden. Vorher oder nachher plane ich eine Übernachtung in Heidelberg, worauf ich mich sehr freue. Jetzt muß ich packen.
Innigst Dein Eduard.

[li. Rand] Zwischen Bodman u. Wallh. außer 3 Waldarb. kein Mensch