Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. Juli 1953 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

27.7.53.
Meine einzige Freundin!
Ich antworte sofort, damit Du Dich über den Besuch bei Kohlers entscheiden kannst. Mehr aus Vorsicht als aus Unvermögen habe ich die Teilnahme in Münster abgesagt. Ich komme also Ende dieses Monats nicht durch Heidelberg. Wenn wir hier früher, nämlich am 3. August, abreisen, so wird es auch den Vorzug haben, daß ich am 31.VIII pünktlich in Heidelberg oder dem sonst gewählten Treffpunkt sein kann. Bei Deinen Dispositionen bitte ich nur zu berücksichtigen, daß am 29. oder 30.7 die übliche Sendung kommt. Nötigenfalls gib auf der Post Ordre, daß sie liegen bleibt.
Ich habe mich über Inhalt und Stimmung Deines lieben Briefes von Herzen gefreut. Ebenso freut mich, daß Du ein wenig aus der Heidelberger Luft herauskommst, die der hiesigen genau zu gleichen scheint. Nur die eine Bitte habe ich, daß Du Dich in keine
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| Situation begibst, die für die Gesundheit ungünstig oder für "unser Alter" zu anstrengend ist. Was mit etwas mehr Kosten erleichtert werden kann, unterlasse nicht aus Geiz. So gebe ich Dir Deine guten Mahnungen zurück. Die Hauptsache aber ist ja immer, daß der liebe Gott einen behütet.
Wir werden also Montag früh hier abfahren und wohl schon nachm. gegen 17 Uhr im Kurhôtel Hohfluh sein. Vorher ist hier noch reiner Tisch zu machen, und ich werde vielleicht erst von dort wieder schreiben können. Ich habe alle Unternehmungen unterlassen und mich in jeder Beziehung geschont. Jene "Erinnerungen" werden wohl morgen fertig werden; sie haben einen Umfang von rund 100 Seiten dieses Formates. Die Abschrift kann aber Susanne erst im September anfangen.
Hier war wieder allerhand Besuch, aus Leipzig, Berlin, Griechenland etc.
Was Du über Frau Biermann äußerst, habe ich schon vor Jahren warnend betont. Die Sache selbst ist mir übrigens neu.
Im August geht Ida für einige Zeit nach Freilassing zu Frl. Krogner, die sich neulich nach Dier erkundigt hat.
Das Seminar ist schon geschlossen. Vorgestern haben wir eine Studentengesellschaft, aber nur 7, gehabt. Wenke ist völlig unsichtbar und hat schweren Ärger mit den "Farbigen".
Alle grüßen mit mir. Ich wünsche <li. Rand> eine gute Fahrt und freundliche Eindrücke.
Innigst Dein
Eduard.