Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 20. August 1953 (Hohfluh)


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Hohfluh, den 20. August 53.
Meine einzige Freundin!
Soeben, 11½, habe ich Deine liebe Nachricht vorgefunden, die Frl. Héraucourt die Güte gehabt hat, zu schreiben, und vorgestern kam die Karte von der Hand des Herrn Matussek. Beiden gütigen Helfern danke ich herzlich.
Wenn so oft durch Röntgenaufnahmen kontrolliert wird, darf man ja wohl hoffen, daß die Teile gut ineinander heilen. Das Gebrauchsfähigmachen gibt dann noch eine unerfreuliche Periode. Denken wir vorläufig noch nicht daran. Du nimmst auch sonst die guten Seiten dankbar hin – was bleibt übrig, als standzuhalten und sich zu freuen, wenn man so noch gnädig davon kommt?
Vielleicht ist es gut, wenn Du Dich jetzt schon erkundigst, ob man – natürlich gegen Bezahlung, – eine Hausschwester bekommen kann, die a) etwas massiert, b) etwas im Hause hilft. Denn nach der Entlassung wirst Du noch nicht "selbständig" sein. Noch besser wäre es, wenn [unter der Zeile] – schon wieder kommt Geheeb
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| wenn man Dir ein Sanatorium als Übergangsaufenthalt nennen könnte, – so à la Kümmelbacher. Kostenpunkt spielt keine Rolle. Dritter Weg wäre: auf einige Zeit als Kurgast in eine Familie gehen (wie Du das mit Mülben gedacht hattest.) Mit solchen Überlegungen muß man rechtzeitig anfangen. Die Frage ist nicht sofort gelöst; man muß die Lösung vorbereiten. In der Klinik werden ähnliche Fälle nicht selten sein.
Gestern haben wir Gegenbesuch bei Geheebs gemacht. Ich mit der Post nach Goldern, Susanne zu Fuß. Obwohl der Aufenthalt nur 1½ Stunden dauern konnte, wurde doch alles hinzugezogen, was als Mitarbeiter oder Gast im Hause weilt; buchstäblich von Ceylon über Israel bis nach Frankreich. Man soll dann "große Gedanken und ein reines Herz" darbieten. Deshalb entwickelte ich zunächst, was eine Berliner Weiße ist. Am besten gefielen mit die neugeborenen Kätzchen, in Erinnerung an den Hermersberger.
Seit 3 Tagen geht es mir besser. Daraufhin haben wir vielleicht einen Fehler gemacht; wir sind heute um 8¼ auf den Tschorren gestiegen, ca 250 m,
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| Weg im ganzen 2½ Stunden. Das ist für vormitt. zu viel. Außerdem wollte ich um 11 hier sein, um diesen Brief rechtzeitig abgehen zu lassen. Die Zeit ist nun ein bißchen knapp geworden. Mittendrin kommt auch noch der Paulus. Den hat aber Susanne empfangen. Die nahen Aussichtspunkte werdet auch Ihr besucht haben. Der Tschorren hat einen Blick auf den Lungern – und den Brienzer See. Es gibt hier auch sonst viel Berge: "ansehen, aber nicht anfassen." Schwarzwalddimensionen genügen mir.
Die Pläne sind immer noch unbestimmt, weil Jeangros noch schweigt, wohl aus Rücksicht für unsre Ruhe. Aber bis Dienstag, den 25.8. [über der Zeile] früh bleiben wir wohl sicher noch hier, und am 28.8 abends sind wir wohl sicher zu Hause. Für die Zwischenzeit gebe ich noch eine Adresse an, wenn es möglich ist – aber nur zu Deiner Verfügung. Denn ich weiß, daß Du Deinen Besuchern nicht immer Schreibarbeit zumuten kannst. Die Sache mit der Stenotypistin überlege ja; sie kann auch zweimal kommen. Q. u. M. freuen sich nur, wenn sie etwas für mich tun können.
Der Sicherheit wegen soll dieser Gruß lieber sofort in die Post Ich kenne die Verbindungen nach Heidelberg nicht. Wir wünschen weiter Geduld, gute Besserung u. Zuversicht. <li. Rand> Grüße bitte Frau Buttmi und "die anderen"
Innigst Dein
Eduard.

[re. Rand] Samstag macht der Dipl. Ing. Wolfgang Herchenbach Hochzeit – in Göppingen.