Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. September 1953 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

23.9.53.
Meine geliebte Freundin!
Daß die Stelle am Ellenbogen noch renitent ist, tut mir sehr leid. Auf dem Röntgenbild war an dieser Stelle nichts zu sehen – auch nicht für die Herrn Ärzte, wie sie versicherten. Vielleicht ist da eine Sehne gezerrt, was man nicht sieht, aber um so länger fühlt. Weise nur noch darauf hin! Am "oberen" Neckar weiß vielleicht niemand damit Bescheid. Die Übersiedlung wird im Auto der Klinik stattfinden. Auf dem Kb. ist wahrscheinlich eine viel buntere Gesellschaft, auch aus anderen Kliniken. Aber man kann sich dafür den Kreis leichter aussuchen als im Bett. Alles Gute für den neuen Aufenthalt, wo ich Dich sehr bald besuchen werde!
Susanne dankt herzlich für die Karte. Eigentlich wollte sie gleich heute schreiben; nun geschieht es "morgen" – ein nicht immer genau definierter Begriff.
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Ich habe 20 von meinen 27 Kandidaten bewältigt, davon 2 mit Sehr gut und nur 1 "faktisch" durchgefallene naive Person. Die Tätigkeit strengt mich sehr an. Es ist "nicht viel mit mir los."
Die alte Wahnschaffin ist eine Verwandte der Conradschen Familie; sie hört garnichts, trotz Apparat, und interessiert sich wesentlich für die Cousinen der Cousins. Trotz ihrer 75 Jahre kommt sie immer per Rad von Mauren.
Theo ist beim Film tätig; wie, sagt er nie. Er ist aber der Freund aller, die ihn in Moabit kennen lernen durften, von mir und den Harnacks bis zum allerhöchsten Adel. So einen trifft man nicht alle Tage.
Der alte Ermatinger ist recht einsam und elend gestorben.
Jenny kürzt ihren Aufenthalt bei dem Stiefsohn in Münster ab, weil ihr 6 Kinder in enger Wohnung ohne eigenes Zimmer zu viel sind. Sie besucht auf der Rückreise zunächst verwandte Honigs in – Neckargemünd.x) [li. Rand] x) Nachträglich stellt sich heraus, daß die Verwandten auf der Walkmühle sitzen!
Ich werde wohl an einer Tagung in Jugenheim nippen und auf der <re. Rand> Rückfahrt eine Nacht in Heidelberg bleiben. Sonst schläft Tübingen noch den Ferienschlaf.
Gute Übersiedlung an den "oberen Neckar“. Auf dem Kb. war ich zuerst mit Herrn Schweiß u. s. ganzen Familie.
<li. Rand>
Alle grüßen!
Innigst Dein
Eduard.