Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 1. Februar 1953 (Heidelberg)


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Heidelberg. 1. Febr. 1953
Mein liebes Herz!
Um die ärgerliche Pause vor meinem letzten Brief möglichst wieder gut zu machen, schreibe ich gleich heute schon wieder! Mit meinen Gedanken begleitete ich Dich über Karlsruhe nach Germersheim und hoffe, daß die Art, wie Du die Sache eingeleitet hast, Dich vor Erkältung und Nässe bewahrte. Ob Dir die Eindrücke dort erfreulicher waren als in Mannheim? Hoffentlich ist die erneute Abkühlung nicht bei Euch schon früher eingetreten. Hier ist alles wieder weiß zugedeckt, aber es taut anhaltend wieder fort, und die Luft ist so dick, daß ich vom Fenster aus keinen Berg sehe.
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| Da fühlt man keine Lust zum Ausgehen, wie ich überhaupt den "Umgang mit Menschen" möglichst vermeide, solange die Grippe noch nicht aufgehört hat. Ich schütze da überall vor, daß ich ja niemand zur Pflege hätte, wenn ... etc. –  – Da ist nun also jetzt, vermutlich Donnerstag oder Freitag, der Einzug der neuen Mieter in Aussicht. Und seit ich gestern abend die Frau Wüst kennen gelernt habe, bin ich recht beruhigt. Es ist, wie Frau Viktor mit Recht sagte: eine "gebildete" Frau, die in netter und feiner Art von der Erziehung ihrer Kinder spricht und die besten Absichten zur Rücksichtnahme für mich hat. Sie hat ernste, ausdrucksvolle Augen und ich glaube, daß sie mir sympathisch werden kann. Du weißt ja, ich
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| habe in der Richtung einen ganz zuverlässigen Instinkt. Jedenfalls kann das Verhältnis auf alle Fälle nur wärmer werden, als es bisher im Hause war. Zunächst werde ich natürlich zurückhaltend und abwartend bleiben. – – Einen Herd haben die Leute angeschafft, und zwar in Anbetracht meines vierflammigen, damit ich nicht mich behindert fühle. Also ich bin nun viel zuversichtlicher.
Was Du über Müdigkeit schreibst, hört man auch hier von allen Seiten. Frau Buttmi sieht geradezu miserabel aus, und ihr Tatendrang hat dabei förmlich etwas Überreiztes. Ich habe, wie Du weißt, die Waffen gestreckt, und wenn ich mich in den Lehnstuhl setze, kann ich zu jeder Tagesstunde einschlafen.
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Zur Ermunterung lese ich mal wieder die Biografie Friedrichs des Großen und fühle dabei mein altes Preußentum. Aber Du wirst da auch sagen: wo bleibt die Tat?! Immerhin ist es mir tröstlich, mit allerlei kleiner Flickarbeit in Ordnung zu kommen. Und so steigt mal wieder die Hoffnung, allmälig einen richtig übersichtlichen Betrieb schaffen zu können. – Die Dinge selbst helfen dazu mit. So ist mir gestern meine hübsche, grüne Lampenglocke zerbrochen, die mir eine tägliche Sorge war. Sie ist nicht mehr zu ersetzen, aber der Papierschirm tuts auch und macht das Zimmer eigentlich heller! So stößt man Ballast ab, freiwillig und unfreiwillig!
Jetzt will ich, um ½ 10 Uhr noch mal sehen, obs regnet oder schneit, und diesen Brief zur Post bringen. – Sei innig gegrüßt im Sinne des 18.I. – ganz wie in alter Zeit – von
Deiner
Käthe.
[] Grüße auch S und I