Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 15. Februar 1953 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 15.II.53.
Mein liebes Herz!
Jetzt ist schon wieder eine Woche seit Deinem lieben Brief vergangen, der so teilnehmend mich bei der häuslichen Umwälzung begrüßte. Seitdem habe ich so mancherlei unterschiedliche Eindrücke gehabt, zu einer ruhigen Ordnung ist es noch nicht gekommen. So hat z. B. der Mann mit seinem Tüncherstandpunkt recht viel am Zustand der Wohnung auszusetzen, und sofort damit begonnen, die Küche auszuräumen und zu weißen. Da er nur die Überstunden dazu benützen kann, dauert das natürlich tagelang. Dabei hatte er auch unvermutet meine gute, zuverlässige Küchenuhr einfach auf den offnen Balkon
[2]
| gehängt, was sie natürlich sofort übelnahm. Jetzt tickt sie wieder friedlich – neben dem Regulator! – bis die Küche fertig sein wird. –  – Aber die Frau gefällt mir nach wie vor gut, und die Kinder sind lieb.
Doch dies soll nur die betrübende Inhaltlosigkeit meiner Tage kennzeichnen, denn vorläufig fühle ich mich in allem behindert durch unvorhergesehene Hemmnisse.
Einen angenehmen Sonntag [über der Zeile] am 8.II. hatte ich bei der Schwester "Heinrich", Frl. Stutz, die mich mit einem Huhn bewirtete, was umso erfreulicher war, als mirs in den Tagen nicht ganz wohl ging. – Am Donnerstag blieb der "kleine" Matussek aus, der mit einem größeren Examen zu tun hat. Nur Frl. Reinhardt kam, und unerwartet Hanne Héraucourt, bei der immer der alte Kampf gegen einen
[3]
| kränklichen Körper weitergeht. Natürlich hat sie einen Grippeanfall mitgemacht und mit 40° Dienst getan. Aber ihre Energie ist nicht unterzukriegen. Es war ganz erfreulich mit den beiden Buchbeflissenen. – Freitags lesen wir jetzt regelmäßig die Pestalozzi-Biographie, und daran habe ich immer wieder von neuem meine Freude.
Nachrichten von außerhalb sind spärlich, da ich selbst garnicht geschrieben habe. Das nette Bildchen von Hermanns jüngsten Töchtern habe ich wohl erwähnt. –
Daß Frl. Kiehm gestorben ist, wird bei ihrer regen Tatkraft eine recht fühlbare Lücke zurücklassen, und ihre Schwester ist sehr zu beklagen.
Es freute mich besonders, daß Germersheim so gut verlief. Bei der täglich wechselnden Witterung hatte ich etwas mit Sorge daran gedacht. Es scheint aber menschlich erfreulich
[4]
| gewesen zu sein, und das ist immer das Schönste. – Wie mag das bei dem Erscheinen der 4 alten Damen gewesen sein? – – Als ich heute in der "Rose" der häuslichen Küche entfloh, fragte mich der Wirt nach "dem alten Herrn"! – was ich im ersten Augenblick garnicht verstand. Er scheint nicht viel Hotelgäste zu haben; die Mittagstische heut waren vollbesetzt. – Hotel Denner hat das Lokal renoviert, und wird sehr angepriesen in der Zeitung. – – Sonst ist es ja immer unerfreulich in der Zeitung zu lesen. –  – –
Also in 12 Tagen darf ich hoffen, Dich zu sehen. Ich würde gern das Zimmer für Dich bestellen, wenn Du mir das Vertrauen schenkst!, Dein Name ist dort jetzt sicher bekannt. – Im Altenheim soll jetzt ein neuer Verwalter sein. Es wird wohl noch mancher Tropfen Wasser den Neckar hinunterfließen, bis ich da lande. Vorläufig also halte ich mich an die Gegenwart und freue mich auf Dein Kommen. Ich grüße Dich vielmals, und auch die Andern! Deine
Käthe.