Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 24. Februar 1953 (Heidelberg)


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Heidelberg. 24.II.53.
Mein liebes Herz!
Nun wird mein Gruß doch nicht mehr am rechten Tage bei Dir sein, aber abschicken will ich ihn doch noch heut. Dein lieber Glückwunschbrief kam schon gestern morgen und ich hätte ihn gern gleich beantwortet, aber – wie das denn so ist! – der Tag verging zu schnell. Es ist wohl allgemein solch große Müdigkeit, die sich lähmend über alle Tätigkeit legt. – Daß Du mir trotzdem schriebst, habe ich dankbar empfunden, und ich brauchte garnicht mühsam zwischen den Zeilen zu suchen. Sehr viel unerfreulicher ist das Suchen zwischen den Zeilen der Zeitung,
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| mit jedem Tage mehr. Deshalb halte ich mich lieber an die positiven Nachrichten, die mir ein Wiedersehen am Freitag versprechen. Das gibt in dieser Woche Geburtstag ohne Ende! Heut waren Frl. Stutz und Frl. Seidel ganz gemütlich zum Kaffee da. Morgen stehen Rösel Hecht, Frau Buttmi und Héraucourt's in Aussicht, und außerdem vielleicht einige freundliche Passanten. Am Donnerstag will ich aber dann möglichst ausruhen, um meine fünf Sinne, so gut es geht, für Dich beisammen zu haben. – Schrieb ich Dir schon, daß ich bei Frl. Dr. Clauß war, und daß sie mir Kalk und Lebertran verordnete? Die dauernden Schmerzen sollen von einer Veränderung der Knochen herrühren. Mehr noch erwarte ich von Deiner Verordnung,
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| den Vitaminen der Orangen, die es ja sehr reichlich eben gibt. – Die Veränderung im Haus wächst sich immer mehr zu einer Verbesserung aus, und es wäre nett, wenn Du es Dir auch mal aus der Nähe ansehen wolltest!
Wie es am Himmel und am Barometer aussieht, will es endlich mal wieder etwas freundlicher werden, und so hoffe ich, soll das alte Heidelberg Dir in gutem Zustand erscheinen, und womöglich neben den vielen Sitzungen auch ein wenig Ruhe geben.
Was Du über die Fahrt nach Baden-Baden schreibst, hat mich doch nachträglich recht erschreckt. Es wird garzu leichtsinnig gefahren! Damals bei Germersheim schon hatte ich Sorge. Es war ja in den Tagen der starken Stürme – aber dann war ich unbesorgt, weil Du nach Stuttgart doch vermutlich die Bahn benutzen
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| würdest. –  – Die "Rose", die jetzt an der Reihe ist, kenne ich von früher her, wo sie eine einfache Gastwirtschaft war, aus der ich mein Essen geholt bekam. Sie hat sich seitdem verfeinert, aber ich habe nicht genauer zugesehen.
Eure Studentengesellschaft war gewiß wieder sehr erfreulich, denn im gegebenen Moment fehlt es Dir nicht an Ideen für ernste und heitere Gespräche, – "im Himmel" wie auf Erden. – Von den näheren Zusammenhängen weiß ich ja nichts, aber daß ein Mann aus einem höheren Posten so leicht zu beseitigen sein würde, leuchtete mir ja gleich nicht ein.
Die Räumung in der Fabeckstr. steht wie alles auch hier im Zeichen der Überraschungen. Möchte es sich ebenso günstig lösen. Das wünsche ich Dir mit innigen Grüßen, und bitte auch Susanne und Ida Grüße auszurichten.
Auf Wiedersehen am Freitag d. 27.II, um 13.17 auf dem Heidelberger Bahnsteig!
Deine
Käthe.