Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 28. Februar 1953 (Heidelberg)


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Heidelberg. 28.II.1953.
Mein liebes Herz!
Wie schade um diesen herrlichen Vorfrühlingstag, den Du bei den endlosen Sitzungen verbringen mußt! Und wie schmerzlich für mich, daß ich Dich so in der Nähe und doch unerreichbar weiß, wo ich Dich doch so dringend zu sehen und zu sprechen wünsche. Wie war die Nacht in dem unbekannten Hotel? Was ergab sich bei Deiner Nachfrage am Bahnhof? Wann war gestern in der Carlstraße Schluß? Und hast Du den Schrecken jetzt überwunden?
Mir war es auch sehr in die Knochen –
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| oder besser in den Kopf und ins Herz gefahren, denn meine Nerven reagieren immer sehr prompt. Und am schlimmsten ist es, wenn man garnicht helfen darf. Darum bitte ich Dich wenigstens um das Eine, daß Du mir die Liebe tust, und für mich diesen Monat ausfallen läßt, denn ich habe Dir ja schon sooft vorgerechnet, daß ich bei meinem so getadelten Geiz, der aber nur gewohnte Sparsamkeit ist, beständig zurückgelegt habe und es mir nicht ratsam scheint, unnötiges Geld im Haus zu haben. Ich hoffe also, morgen einen guten Handel mit Dir abzuschließen und
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| nicht immer und immer mit irgend welchen nicht stichhaltigen Gründen abgewiesen zu werden.
Heute aber möchte ich Dir nur einen innigen Gruß schicken und Dir eine gute Nachtruhe wünschen, in errungener Fassung bei diesen unerwarteten Widerwärtigkeiten. Es ist doch wirklich gut, daß bei Dir nicht, wie bei dem Schaffner, die Existenz ernstlich gefährdet ist.
Mit vielen lieben Gedanken grüßt Dich
Deine
Käthe.