Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 14. März 1953 (Heidelberg)


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Heidelberg. 14. März 1953.
Mein liebes Herz!
Wie mag es mit dem Bedarf an Federn stehen? Konnten die unechten vorübergehend aushelfen? Ich habe mich recht ungeschickt bei der Besorgung angestellt, wie das leider mit mir jetzt häufig geschieht. Ein krasses Beispiel ist die einliegende Karte, die ich Dich bitte, mit meinem sehr lebhaften Bedauern an Ida weiter zu geben. Ich glaubte sie längst in Tübingen und fand sie nun wieder in meiner Tasche bei den Ausweisen!
Sonst ist mein Leben ganz ereignislos, d. h. ohne mein Interesse zu wecken.
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| Es waren die üblichen Leseabende, teilweise mit Diskussion, besonders mit Matussek, der eine ganz materialistische Epoche hat, aber behauptet den geistigen Gehalt aber nicht dabei zu verlieren. Er möchte nur gern sein Organ im Stoff nachweisen und womöglich chemisch produzieren! –
Frau Heinrich ist aus England zurück, sehr befriedigt. Sie meint das Leben dort sei weniger bedrückt als bei uns, aber bewußt im Kriegszustand.
Hier steht man unter dem Eindruck sehr bedeutender Arbeiterentlassungen, was man auslegt als Maßnahme, die Leute für den Militärdienst willig zu machen.
Vorläufig aber scheint noch Geld genug im Umlauf zu sein. So habe ich heut meine
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| Wüst-Familie zu einer Hochzeit gehen sehen in vollem Staat. Die drei kleinen Mädchen in langen seidenen Kleidern, wirklich fein und geschmackvoll, nicht aufgeputzt, mit farbigen Kränzchen im Haar. Jetzt, um 10 Uhr, sind sie noch nicht zurück!
Nach auswärts denke ich mit Sorge, teils aus persönlichen, teils aus allgemeinen Gründen. – Auch hier ist es wieder kalt geworden, aber heut ist klarer Sonnenschein gewesen. Ich aber habe eine bleierne Müdigkeit verschlafen, statt ins Freie zu gehen.
Immer wieder denke ich mit Freude daran, daß jetzt die Sammlung Deiner letzten Vorträge in Druck gegeben wird. Gerade, daß auch der Mannheimer dabei sein wird, ist mir besonders lieb. – Wie war
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| doch der Plan der Schwedischen Reise? Du schreibst am 8.III. die 3 Vorträge für dort müßten in knapp 14 Tagen fertig sein! War der Termin so bald? In meinem Kopf haftet garnichts mehr und ich bin oft ganz ratlos.
Aber das Herz ist umso lebendiger, und möchte sich betätigen können. Aber ohne jeden Erfolg! Nicht einmal zu einem Brief reicht es und ich bitte Dich, nimm den Willen für die Tat und habe Geduld mit mir. Ich hoffe, es wird auch wieder besser werden! Sei innig gegrüßt, und richte meine Grüße an Susanne und Ida aus. Alle Freunde hier fragen immer lebhaft nach Deinem Ergehen.
Immer
Deine
Käthe.