Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 18./19. März 1953 (Heidelberg)


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Heidelberg. 18.III.53.
Mein liebes Herz!
Gestern erhielt ich Deinen lieben Brief vom 16.III. und da will ich nur rasch dafür danken, damit Dich der Brief noch vor der Abreise erreicht. – Es ist hübsch, daß Dir die Feder so gut gefiel. Wir haben lange nicht mehr solch Symbol der Ewigkeit ausgetauscht. Dieses hier hat viele Jahre zwischen den Blättern meiner Schreibmappe gelegen und mich sehr oft erfreut. Es ist eine Perlhuhnfeder vom Gut Haseleu in Pommern, wo ich damals Vally v. Alten besuchte. Dieses zarte Kunstwerk der Natur hat neben seiner Schönheit auch eine absolute Dauerhaftigkeit bewiesen, also auch die Berechti
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|gung zu seiner symbolischen Bedeutung. Was nun die prosaischen Stahlfedern betrifft, (die ja aber garkeinen prosaischen Zweck erfüllen sollen) so habe ich mich in der Stadt noch weiter nach der Originalsorte umgetan, aber nur dabei erfahren, daß Soennecken bereits eine Nachahmung sei von Roeder, wovon ich Dir dann nach Tübingen auch eine Probe schicken werde.
Es ist gut, daß durch W. Scheibe die Erinnerung an den Geburtstag von Lili auch bei mir durch Dich geweckt wurde. Ich hätte die 80 beinah nicht bedacht, wie sie auch bei mir! Wie kommt dieser Wolfgang denn zu dieser Mitteilung an Dich!!
Am 1. April sind noch andere Geburtstage für mich zu bedenken, wie überhaupt eben
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| die Schreibepflicht in garkeinem Verhältnis zu meiner geistigen Verfassung steht. Ich spüre das Frühjahr nicht nur in körperlicher Lahmheit.
Am Palmsonntag wird auf Rügen der älteste Sohn, Peter Vogts (vierzehnjährig) eingesegnet. Er und seine Schwester Adelheid, (Heidi) werden dann nach Bergen in das Internat der Oberschule kommen, an der ihr Onkel Wolfgang Ruge Direktor ist. Er ist der 2. Sohn von dem Juristen Ludwig, den Du mal kennen lerntest. Möge es gelingen, denn Rügen ist doch ganz besonders gefährdet. – Am 28.II. konnte Lili nicht zum 65. Geburtstag meiner Schwester nach Berlin kommen, wie Aenne sehr gehofft hatte. –
Deine Reisepläne gehen ja zum Glück nicht in unsichere Gebiete. Ich werde Dich mit
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| stillem Gebet begleiten und werde mich freuen, wenn Du recht befriedigt von aller Mühe zurück kommst. Es wäre schön, wenn Du einmal außer der Pflichterfüllung recht interessante Eindrücke von der fremden Welt haben könntest. Aber ob auch nordische Natur dabei berührt wird? Die Großstädte sind sich doch mehr oder weniger ähnlich, dort freilich wohl gänzlich unzerstört. – Wenn es Dir ein paar Tage des Ausruhens geben könnte, wäre es doch schön, nicht so in Hast gleich wieder abzureisen. Laß mich hie und da mit einer Karte von Euch hören. Das etwaige Telegramm würde mich auch nicht beunruhigen, wenn es eine Durchreise hier melden sollte. — 19.III. Im Begriff zur Stadt zu fahren, in der Altenheimsache, will ich nur rasch den Brief schließen und mit zur Post nehmen. Ich hätte noch mancherlei zu schreiben – also dann: nachher!
Viel gute Reisewünsche und herzliche Grüße für Euch beide.
Deine Käthe.