Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 28. März 1953 (Heidelberg)


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Heidelberg. 28.III.1953.
Mein liebes Herz!
Du hast es zwar wahrscheinlich gemacht, daß die Reise um einige Tage verlängert werden könnte, aber auf alle Fälle möchte ich Dich doch zuhause begrüßen. Hoffentlich waren es schöne Tage, mit interessanten Eindrücken, und so sonnig wie hier bei uns. Vor allem wünsche ich Dir natürlich, daß Du mit dem Eindruck Deiner Reden zufrieden warst. – Ihr trafet dort auch gerade "hohen Besuch". In unserer Zeitung sah man die beiden Könige im Wagen durch Stockholm fahren. –
Bei mir kam die briefliche Anmeldung
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| von Heinrich Eggerts Frau, die ihre Tochter in Stuttgart zu Ostern besuchen will, und auf dem Wege einen Tag zu mir kommt, von Mittwoch [über der zeile] 11.06, d. 1. bis Gründonnerstag 17.08. Möge es klappen; Trudel hat mir ein Nachtlager zur Verfügung gestellt.
– Auch sonst spielte allerlei. Durch Elsbeth Gunzert-Wille hörte ich, daß eine Dame im Heim gestorben ist, und da meldete ich mich natürlich dort. Es kommt aber nicht in Frage, da eine Blinde, die ein kaltes lichtloses Zimmer hat, in das frei gewordene kommt. Es war mir aber doch für einige Tage beunruhigend, bis die Sache entschieden war. – Hier im Haus ist es nämlich nicht so einfach, wie ich es
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| mir nach den anfänglichen Versicherungen dachte. Die Frau ist sehr temperamentvoll und wechselnd in der Stimmung. –
Umso lieber flüchte ich mich hie und da zu den Freunden: Rösel HechtHéraucourts, Hedwig Mathy. Bei Heinrichs war es am letzten Sonntag auch hübsch und gemütlich. Mehrmals konnte man schon im Freien in der Sonne sitzen. Ich denke mir, daß die Vegetation auf Wiesen und in Gärten auch dort bei Euch "Schweden" schon Blumen zeigt, nur die Bäume kommen später, und die warten hier auf Eure Rückkunft. Nur Mandeln und Aprikosen stehen schon in voller Pracht. – Frau Buttmi ist in München zu einer Confirmation, und auf Rügen ist
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| der älteste Sohn auch gerade am Palmsonntag Konfirmand. Die Großeltern können nicht dabei sein, aber vielleicht die Schwester der Mutter aus Buch.
Ich warte jetzt recht auf eine Nachricht von Deiner Rückkehr, denn ich denke mir, daß Du recht nach der häuslichen Ruhe verlangst. Alle Welt klagt über Müdigkeit, aber ich glaube, daß ich doch am meisten Recht dazu habe. Ich könnte zu jeder Tageszeit einschlafen. Du merkst es wohl auch an diesem Brief. Darum will ich auch schließen, ihn in den Kasten bringen, und schlafen gehen!
Möchtet Ihr befriedigt und wohlbehalten wieder angelangt sein! Seid herzlich gegrüßt, einschließlich Ida. In stetem Gedenken
Deine
Käthe.

[li. Rand] Federn sind eingetroffen, kommen sobald Du Dich meldest.