Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 4. April 1953 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 4. April 1953
Mein liebes Herz!
Wenn auch nicht zur rechten Zeit soll doch wenigstens ein kurzer Ostergruß zu Dir kommen. Nur eine große Müdigkeit hat es verhindert, daß er pünktlich zu Papier kam. – Ich hatte mich so sehr über Deinen lieben ausführlichen Bericht der so weiten und anstrengenden Reise gefreut, wenn ich auch sehr beklage, daß Du so wenig befriedigt davon warst. Du hattest ja von jeher wenig Neigung dafür gehabt; ich kann eigentlich nicht recht verstehen, wie man Dich dazu einladen konnte, wenn man die dortigen Verhältnisse kennt. Hoffentlich habt Ihr beide jetzt die Strapazen wieder ganz überwunden, und konntet ohne unerwünschte Besuche ausruhen.
Bei mir waren ja keine großen Ereignisse,
[2]
| aber selbst dies Wenige hat meine Kräfte erschöpft. Die Vorbereitung des Zimmers war nicht schwierig, aber die Abholung von der Bahn klappte nicht, weil der Zug starke Verspätung hatte. So kam es, daß wir, nachdem ich fast eine Stunde am Bahnhof gewartet hatte, doch noch getrennt in der Peterstr. ankamen. Nachmittags führte ich Grete Eggert noch den schönen Weg durch den kühlen Grund über den Roten Buckel, wo sie von dem freien Blick sehr entzückt war. Überhaupt ist sie ein sehr empfänglicher und leicht zu befriedigender Gast. Trotzdem war ich nach dem Besuch des Schlosses am andern Tag, und trotz der Ruhestunde nach dem Essen bei ihrer Abreise um 18.07 am Rande meiner Kräfte. – Gestern war dann bei Gertrud Seidel Geburtstagskaffee im Altenheim! und heute ist ein Gewitter nicht zum Ausbruch gekommen, so kannst
[3]
| Du Dir meine Verfassung denken.
Für die Ostertage habe ich nichts unternehmen wollen, habe aber jetzt eine Einladung zu Heinrichs zum Kaffee. –
Familie Wüst ist heute zu seinen Eltern nach Bargen (zwischen Meckesheim und Neckarelz, bei Helmstadt) und so bin ich für 1–2 Tage allein und genieße ungewöhnliche Ruhe. Ich habe aber auch nicht den geringsten Tatendrang.
Aber das Barometer steigt und so hoffe ich auch auf neuen Aufschwung. Möge [über der Zeile] es bald zu spüren sein. – Das hoffe ich auch für Euch, denn es scheint, als ob auch Susanne recht ermüdet zurückgekommen wäre. Und ich grüße Euch sehr herzlich und warte nur auf die Nachricht,
[4]
| wo Ihr endlich die nötige Erholungspause einfügen werdet. Laß sie doch nicht so kurz sein, sonst ist sie ja zwecklos.
In inniger Liebe
Deine Käthe.