Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 5. April 1953 (Heidelberg)


[1]
|
<dieser Brief wurde fälscherlicherweise unter 12.4. abgelegt; 1953 fiel Ostersonntag aber auf den 5.4.und auch inhaltliche Ungereimtheiten sind damit aufgehoben>
Heidelberg, Ostersonntag 1953
Mein liebes Herz!
Du hast mich mit Deinem lieben, pünktlich zum Fest eingetroffenen Brief so verwöhnt, – erfreut und beschämt. Denn Du bist ja mindestens so abgespannt wie ich, und mit weit mehr Recht. Aber der kümmerliche Brief an Dich war überhaupt der einzige, den ich bisher geschrieben habe, und ich hatte eine beinah krankhafte Abneigung vor dem Schreiben, so sehr michs innerlich drängt zur Mitteilung nach manchen Seiten.
Heut hatte ich einen guten, belebenden Tag. Erst Deinen lieben Brief und 2 Karten, von Frau Buttmi aus München, und von Frl. Held. Der Kaffee bei Heinrichs war gut und nahrhaft! und anschließend
[2]
| gingen wir von ½6 bis ½8 den schönen Lieblingsweg auf meine Anregung, der wieder von ganz anderem und überraschendem Reiz war. Die Blüte von Pfirsich, Kirschen und Birnen ist auf der Höhe, und der Heckenweg zwischen den Schlehen ist wie mit Schnee bedeckt. Es war auch ein hübsches Einverständnis zwischen uns.
Das war auch neulich mit Grete Eggert, aber sie ist sehr lebhaft und enthusiastisch, und das strengte mich im Laufe so vieler Stunden nach einander recht an.
Nachdem ich sie an die Bahn gebracht hatte, kamen für den üblichen Leseabend der Bruder Matussek und Fräulein Reinhard, das war etwas reichlich; dann Karfreitag ziemlich langweilig bei Frl. Seidel und das ermüdet am meisten. So kam es, daß
[3]
| ich erst am Sonnabend schreiben konnte, obgleich ich danach einzig Verlangen hatte. Dem allen voraus ging ja schon eine Einladung zu den beiden Schwestern Mathy, kurz Du verstehst gewiß, daß ich etwas zu viel bewältigen mußte, und verzeihst mir, nicht wahr?
Heut war nun vormittags Stille im Haus, was ich garnicht mehr kenne. Ob Familie W. morgen zurückkommt, ist ungewiß, aber ich nehme es an. Sie sind sehr vergnügt abgereist. – Als ich nun vorhin nach Haus kam, fand ich vor meiner Tür ein dickes Packet; das war ein wunderhübsch verpackter Napfkuchen, in dessen Höhlung 5 Eier und ein Veilchensträußchen steckten! Und auf der Tafel stand ein Gruß von Frau Steidel aus Kirchheim.x [Fuß S. 3 und 2] x Ich denke dabei an meinen 80., als die Tochter ebenso vergeblich mit Kuchen kam, und die alte Frau, die ihn für mich abnahm dann an meinem Arm einen Schlaganfall bekam. – Das tut mir nun herzlich leid, denn ihr Besuch war mir schon
[4]
| seit Jahr und Tag versprochen und nun war er vergeblich. Die Leute denken immer, ich müsse dauernd zuhause sitzen! Dies ist die Familie, die mir in der Kriegszeit so getreu geholfen hat, und von der Du schon oft hörtest, wie sie von Dir! Ich wollte, Du kämst jetzt mal, solange die Eier bestimmt frisch sind. –  –
Hattest Du mal Nachricht von Maria Dorer? Mir schrieb sie, daß sie eine ganze Kette von Unfällen hatte, erst flog ihr mal auf der Eisenbahn ein Splitter ins Auge, dann ist sie nach einander zweimal bei Glatteis gestürzt, Gehirnerschütterung und dann gebrochener Arm. Zum Glück wurde sie bei Freunden gepflegt. · – · Ich muß Dir doch noch sagen, wie dankbar ich für Deinen lieben Brief war, auch abgesehen von seinem Inhalt, der ja nicht durchweg erfreulich ist, schon dadurch, daß er von Deiner Rückkehr meldete, denn ich war eigentlich in stiller Sorge um Dich. Und <li. Rand> ganz besonders danke ich Dir innig für Dein treues Gedenken.
<Kopf>
Nun grüße wie üblich! von mir, und sei selbst in stetem Gedenken gegrüßt von
Deiner Käthe.

[Fuß S. 1] Das ist eine rechte Schmiererei, aber es war doch kein weiteres Papier wert! Innigen Gruß!