Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 8. April 1953 (Heidelberg)


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Heidelberg. 8. April. 53.
Mein liebes Herz!
Deine getreue Sendung ist schon heute eingetroffen und so beeile ich mich, Dir sehr herzlichen Dank dafür zu sagen, und Euch in Überlingen zu begrüßen. Dort wird es mit der Blüte noch zurück sein; möchte es sich doch an einigen Sonnentage für Euch bald voll entfalten. Die Landschaft ist Euch ja wohlbekannt, und fordert hoffentlich keine besondere Anstrengung mit weiteren Touren. Ganz besonders aber bitte ich, ja keine leichtsinnige Überfahrt im Kahn in diesem launischen Aprilwetter zu wagen. Wir haben es hier in stündlichem Wechsel, aber mit mäßiger Kühle.
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Gestern nacht kam mir auf einmal die Einsicht, daß ich Dir die so lange erwarteten Stahlfedern noch immer nicht geschickt habe. Und richtig fand ich sie heut morgen im Sekretär, uneröffnet. Ich war so froh, als ich sie endlich in Händen hatte, daß ich davon voll befriedigt war. So geht es mir jetzt manchmal, daß ich nicht weiß, ob ich etwas nur tun wollte, oder wirklich getan habe. Das ist recht deprimierend.
Am Sonntag wird vielleicht die gute Frau Steidel bei mir Kaffee trinken und ihren feinen Kuchen mit mir essen. Und am Montag werden Frau Franz und Hedwig Mathy denselben Genuß haben. Es ist nämlich ein großer, dicker Biskuitkuchen, dem das Altern nicht schadet.
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Vor mir steht ein reizender Schlehenzweig, der sich seit Sonntag bis auf das letzte Knöspchen entfaltet hat. Wie gern hätte ich ihn Dir mal auf den Schreibtisch gestellt. In lichtem Maiengrün haben sich nun auch all die feinen Blatttriebe entfaltet.
In meinem Zimmer sind noch 14°R, obgleich ich heute kein Feuer hatte. Es sind eben so durchwärmte Wände, daß es ganz behaglich bleibt. Trotzdem habe ich heute noch einmal 3 Ztr Eierbriketts kommen lassen, denn ich weiß, daß es Dir recht ist. Der Vorrat war noch nicht zuende, aber man kann ja nicht wissen, wie lange man noch heizen muß.
Hoffentlich seid Ihr dort recht behaglich versorgt in jeder Beziehung, sodaß Ihr Euch richtig erholen könnt. Ich wollte, es
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| wäre so schön, daß Du gern noch ein wenig länger bleibst.
Und so will ich dies noch in den Kasten stecken und dann schlafen gehen.
Recht herzliche Grüße Euch beiden und viel gute Wünsche.
In stetem Gedenken
Deine
Käthe.