Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 16. April 1953 (Heidelberg)


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Heidelberg. 16. April 53.
Mein liebes Herz!
Nun wird hoffentlich das Kästchen mit den Federn endlich in Deine Hände kommen, und sie noch von der guten, alten Qualität sein! Ob Du wohl noch weiter mit der Erholung fortschreiten konntest, obwohl das Wetter durchaus nicht besser werden wollte? Ich habe dem Barometer stündlich den Puls gefühlt, aber meine Teilnahme hat garnichts genutzt.
Dein lieber Brief, für den ich herzlich danke, hat mich sehr gefreut, durch gute Stimmung und sonst allerlei Nachricht. Habe Dank!
Von hier ist wenig zu berichten. Was Gaststätten und Kaufläden angeht, ist eine große Konkurrenz im Ausbau und üppiger Ausstattung. Man sieht es ebenso bedenklich an, wie die beständigen Feste. – Daß ich jetzt daran [über der Zeile] nicht mehr teilnehme, nicht mal am Kinobesuch! ist nicht die
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| Ursach meiner Kritik. Bedauern tue ich aber, daß das Wetter nicht einmal einen hübschen Spaziergang verlockend erscheinen läßt. Selbst die übliche Fahrt zur Waschfrau nach Ziegelhausen war reizlos. – Ob Du den Weg BodmanWallhausen wagen konntest?
Meine Unterhaltung ist das Studium der zwei interessanten Bücher über moderne Kunst. Ich wollte, wir könnten sie um den 30. April herum mal zusammen betrachten. Ich finde, daß Du auch damit ein spezielleres Urteil, (was garnicht zustimmend, aber eindringender sein müßte) gewinnen würdest. Ich will sehen, daß ich das über die "abstrakte Malerei" noch so lange behalten darf.
Dieser Zettel soll Dich nur rasch wieder in Tübingen begrüßen als freundlichen Empfang. Hoffentlich seid Ihr erholt und befriedigt heimgekehrt. Ich grüße herzlich und wünsche sonnige Tage, außen und innen.
Deine
Käthe.