Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 14./15. Juni 1953 (Heidelberg)


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Heidelberg. 14. Juni 53.
Mein liebes Herz!
Deine Karte aus Bern und Dein lieber Brief vom 11. haben mich ganz besonders erfreut durch die zufriedene Grundstimmung, die daraus spricht. Du hast gesehen, daß Deine Mühe nicht vergeblich ist und das ist der willkommene Ausgleich. Wie froh bin ich über dieses Gelingen! Denn oft mußt Du Dich mit dem Bewußtsein begnügen, daß der ausgestreute Samen unbemerkt auch in gutes Land gefallen ist.
Aber wie wird es nun mit dem notwendigen Ersatz der Kräfte und dem so dringenden Abbau der Verpflichtungen? Sieh Dir doch vor allem diejenigen darauf an, die Dir nicht eigentlich erwünscht sind; Und dann auch solche, bei denen Spielraum
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| für eine Ersatzbeschaffung für die Veranstalter bleibt. Verweise sie doch an Litt und Wenke, die werden Dich gewiß gern entlasten. Kannst Du für die Durchreisenden nicht unerbittlich bestimmte Sprechstunden ansetzen? Ich sollte meinen, dazu hättest Du nachgerade Berechtigung.
In die Besorgnis vor einem plötzlichen Schwächeanfall solltest Du Dich aber nicht einlassen! Du weißt doch, daß Du von jeher das Gelingen Deiner Vorträge mit quälender Erregung erkämpfen mußtest. Du tätest aber sicherlich recht, solche Anlässe zunächst einmal ernstlich einzuschränken. Du weißt doch selbst, wie wenig Du in den letzten Jahren für eine erholende Ruhepause gesorgt hast.
Ob die Luft in Tübingen jetzt auch so beständig mit Elektrizität geladen ist wie
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| hier? Da Du es auch in der Schweiz ebenso trafest, vermute ich es eigentlich. Es ist wohl nicht so ganz unsinnig, diese Zustände mit den Experimenten der Menschen mit der Atomenergie in Verbindung zu denken.
Vielleicht hängt damit auch die allgemeine Unrast zusammen.

15. Juni. Und an dieser Unrast leide ich ganz besonders. Immer gibt es irgend etwas, das mich in die Stadt nötigt. Und es bleibt stets etwas zurück, das erledigt werden müßte. Vor allem im Verkehr mit den befreundeten Menschen. Heute war ich bei Rösel Hecht, die über Sachen, die sie mir aufbewahrt, Bescheid haben wollte. Vor einigen Tagen traf ich Kohlers auf der Straße, die in der Stadt Einkäufe machten. Sie forderten mich lebhaft auf, mal wieder zu ihnen zu kommen. Vielleicht macht sichs im Juli. – Nächste Woche will mich die gute Frau Biermann besuchen: Montag, d. 22.
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| Da bin ich etwas in Sorge, daß das mit Deiner Rückfahrt von Godesberg, und dem Treffen für mich am Bahnhof kollidieren könnte? Das wäre mir sehr leid.
Heut ist es ohne Gewitter bei uns abgegangen, aber die lastende Schwüle ist sehr angreifend. Man fühlt sich richtig krank dabei.
Möchte es doch bei Euch damit besser sein! Für meinen Kaktus ist das Klima umso angenehmer. Er hat heute seine 2. schöne Blüte entfaltet, die sich leider morgen schon wieder schließen wird. Aber es sind noch 3 Knospen in Entwicklung, leider aber nicht bis zum 19.
Ein etwas konfuser Brief von Lili Scheibe meldet mir dankbar ein Telegramm von Dir, das sie als "echt menschliche Liebenswürdigkeit" empfindet. Wir sollten sie nicht über den näheren Zusammenhang aufklären. Und mit dem Urteil hat sie ja überhaupt recht! Darum grüße ich Dich auch sehr, sehr herzlich und danke Dir auch.
Deine Käthe.