Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 10. Juli 1953 (Heidelberg)


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Heidelberg. 10. Juli 53.
Mein liebes Herz!
Ob der Mittwoch auch bei Euch solch ausgesucht schöner Tag war? Unser lang geplanter Ausflug konnte es nicht besser treffen: bedeckter Himmel, auf der Höhe Wind und wechselnde Sonne, nicht heiß zum Wandern und warm genug zum Sitzen auf Bänken! So habe ich mit Hedwig Mathy einen sehr hübschen Tag verlebt. Im Walde vereinzelte Beerensucher, sonst nur in der Nähe der Wirtschaften einige Menschen. Vorsichtige Leute hatten wohl Regen gefürchtet! Den hatten wir vorher aber genug, ich glaube es war am Freitag d. 3., als die Peterstraße ein reißender gelbbrauner Bach war.
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| Wir fuhren um 10 Uhr mit der Bergbahn zum Königstuhl, aßen im alten Kohlhofgarten. Dort wird tüchtig umgebaut für Logiergäste, denn alles sonst dort oben, ist irgendwie Sanatorium. Wir ließen uns gemütlich Zeit, saßen nochmals am Waldesrand bevor wir den schönen Waldweg nach Waldhilsbach zum Kaffee mit Himbeerkuchen! machten. Beim Abstieg nach dem Kaiserhof wurde mir mein neuer Regenschirm mit einzelnen Tropfen eingeweiht, die Elektrische war noch nicht überfüllt und zu guter Zeit waren wir daheim. So etwas sollte öfter geschehen! Aber es ist schwierig Kameradschaft zu finden, die mit meiner Leistungskraft übereinstimmt, und Zeit hat.
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Wie steht es mit Deinem Befinden? Ist das Cordalin nützlich? Das Wetter mit der unaufhörlichen Gewitterneigung ist vermutlich für Dich ebenso wenig erfreulich wie für mich – und alle Welt klagt darüber. Da war der Mittwoch nur eine Ausnahme. Ob Ihr nun einen Ort für die Erholung gefunden habt? Mir wurde als dienlich für hohen Blutdruck Wiessee genannt. Dort waren wir ja bei der Tour über die Hirschtalalpe. Ob es sonst noch Vorzüge hat? Befolgst Du eigentlich irgend eine Diät? Ich mußte auch mal salzlos leben und fand das garnicht so übel. Man hat da ein viel feineres Gefühl für die Unterschiede des Geschmacks. —
Heut wird also nochmal ein Vortrag in diesem Semester sein. Ist das die Evangel.
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| Studentengemeinde, die am 27. das Ständchen brachte? — Bei mir sind die gemütlichen Leseabende ausgefallen. Nur Frl. Reinhard kam gestern mal wieder.
Der Verkehr im Hause ist durchaus friedlich. Seit gestern sind die beiden kleinen Mädels Patient, und halten die Mutter in Atem. Im Allgemeinen steht alles in der Obsternte. Auch Frau Buttmi, trotz der Vertretung im Lehramt, und auch Gertrud Kohler, die nichts mehr von sich hören ließ.
Von Dir hoffe ich aber bald mal wieder Nachricht zu bekommen, denn danach habe ich immer Verlangen. Ich hoffe, Du kannst mir Gutes berichten! Sage Susanne herzliche Grüße von mir und grüße auch Ida.
In stetem Gedenken grüßt Dich
Deine
Käthe.