Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 30. Juli 1953 (Heidelberg)


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Heidelberg, 30. Juli 1953.
Mein liebes Herz!
Deine rasche Antwort auf meine Anfrage hat mich sehr gefreut, denn es nahm mir die Bedenken wegen einer möglichen Kollision bei Deiner in Frage stehenden Durchreise hier. Und es ist mir auch lieb, daß Du die Sitzung absagen konntest, nicht aus Mißbefinden. aber aus Schonung! Nun ist gestern auch noch Deine Geldsendung gekommen, und ich danke für beides sehr herzlich. – Nun könnte also Dielbach ohne Schwierigkeit vor sich gehen, wenn ich den definitiven Bescheid von dort noch bekomme! Es war nämlich in Frage, ob sie mit Töchtern und Schwiegersohn in dessen Auto einen Besuch in – Mühlacker! machen würden, der noch in Abrede stand. Vielleicht kommt ja noch rechtzeitig eine Karte, sodaß ich am Sonnabend über Sonntag fahren kann! Das ist mir persönlich ja nicht so wichtig, nur mit Gaßners ist es unbequem, denn Gisela hat auf meine Absage hin eine Karte geschrieben mit dem
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| Vorschlag, ihren Besuch auf Dienstag oder Mittwoch zu verschieben, und damit wären dann weitere Absichten in Dielbach behindert. Ich lasse eben die Sache sich entwickeln.
Ich bin froh, je eher Ihr in die bessere Luft kommt. Hier ist es immer dasselbe: morgens bereits bewölkt, der Berg im Nebel! Dann nach vorübergehender Sonne dicke Wolken und ein Blitz mit spätem Donner – heftige Güsse, niedrige Temperatur und gegen Abend Besserung. Man geht am liebsten nicht vor die Tür.
Jetzt erwarte ich gerad Frl. Reinhard und Norbert Matussek zum Lesen. – Morgen fällt die Lektüre aus, denn Frl. Ingold ist zu Haus in Aglasterhausen, wo vorige Woche ihre Mutter starb. Es sind ja auch Ferien, was Frau Buttmi recht nötig brauchte. Jetzt kommt nun ein Hausbesuch nach dem andern, sodaß die Hausfrau doch keine Ruhe hat!
Es ist überhaupt eigen mit meiner Freundschaft,
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| auch mit Héraucourt's hören die Konflikte nicht auf. Am Tage nach dem Circusbesuch ist Frau Pfarrer die Steintreppe hinunter gefallen und hat sich, wie sie sagen, einen Knochenriß im Knöchel zugezogen, der einen Gipsverband bekommen mußte. Trotzdem kann sie sich mit Vorsicht bewegen, aber möglichst viel liegen. Gleichzeitig ist die eine verheiratete Tochter mit zwei Kindern im Haus! Das ist vermutlich im Augenblick eine gewisse Hilfe, denn Hanne ist doch den ganzen Tag im Beruf. Sie sagte neulich schon einmal so betrübt: der liebe Gott meint es garnicht gut mit ihr! –  –  –  –
Da ist nun Frl. R. allein dagewesen, der andere ist in Bayreuth – ? – nächste Woche ist die Sitzung wieder zu dritt.
Auch hier erregen die "Farbigen" dauernd Mißfallen. Soll das Patriotismus sein?
Mir selbst geht es bis auf die ständige Müdigkeit gut. Aber ich will doch mal zu Frl. Dr. Clauß zur Kontrolle gehen, denn sie wird das erwarten.
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Ganz allmälig fange ich an, wieder zuversichtlicher den Zustand mit den neuen Mietern zu betrachten. Auch der Mann, den ich möglichst vermied, ist von natürlicher Freundlichkeit, wenn wir uns unvermutet treffen. Man ist wohl entschieden zur Einsicht gekommen. Du wirst verstehen, daß ich es sehr erleichternd empfinde.
Und nun werde ich hoffentlich bald von Eurer guten Ankunft und Unterkunft in Hohfluh hören. Wenn es dort auch schon so kühl ist wie hier, dann nehmt nur ordentlich warme Sachen mit. Ich freue mich, die landschaftliche Umgebung zu kennen, die nun bald um Dich ist. Hoffentlich gefällt sie Dir, und vor allem, bringt sie Dir gründliche Ruhe und Erholung. Meine innigen Wünsche werden mithelfen, und Dich vor leichtsinnigen Unternehmungen warnen. – Herzliche Grüße an die Hausgenossen und am Montag auch an Frl. Silber. Dir und Susanne einen schönen Reisetag und recht erfreulichen Aufenthalt.
Wie immer
Deine
Käthe.