Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 12. August 1953 (Heidelberg)


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<Dieser Brief wurde von Käthe Hadlich diktiert>
Heidelberg, 12. August 1953.

I. A.
Lieber Eduard, diesmal muß ich leider diktieren, denn ich habe am Samstag, 8.8. auf der schon immer verdächtigen Treppe einen Unfall gehabt, der mich hindert, selbst zu schreiben. Das Schultergelenk des rechten Armes ist verletzt, und ich liege jetzt ganz behaglich in der chirurgischen Klinik am Fenster, mit dem Blick über den Neckar nach Süden, und erfreue mich an der Berglinie, die nach Rohrbach, Leimen u. Nußloch zieht. Die Ruhe tut mir nach der Aufregung und den Schmerzen gut. Ich bin hier gut versorgt und muß nur den Arm absolut still halten. Zum Lesen habe ich noch keine Stimmung; aber ich habe mich immer wieder über Deine Karte gefreut u. bin dankbar, daß es Euch dort gefällt u. hoffentlich auch gut bekommt. Die Natur ist ja wundervoll u. großartig, ohne erdrückend zu sein. Weitere Nachrichten würden mich natürlich sehr erfreuen. Wie es nun mit dem 31.8. sein wird, ist ja ungewiß. Keinesfalls möchte ich, daß Du wegen eines kurzen Besuchs die Reise
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| von Tübingen hierher unternimmst, zumal bei dieser großen Hitze. Meine hiesigen Freunde besuchen mich sehr fleißig u. sind mir in jeder Weise behilflich. Auch die Pflege u. das Essen sind pünktlich u. gut.
Ich gebe über den weiteren Verlauf Bescheid.
Viele herzliche Grüße u. gute Wünsche für einen guten Aufenthalt, ohne Beunruhigung um mich, da alles normal geht

<eigene Unterschrift>
Deine Käthe

<von fremder Hand>
Sehr geehrter Herr Professor!
Auch ich erlaube mir, Ihnen u. Ihrer Frau Gemahlin gute Erholung in den Bergen zu wünschen. Wir schauen täglich nach Frl. Hadlich u. versuchen zu ergänzen, was bei einem Klinikaufenthalt vielleicht zu vermissen oder etwas dürftig ist.
Susanne Buttmi