Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 15. September 1953 (Heidelberg/Chirurg. Klinik)


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Heidelberg. Chirurg. Klinik
15.9.53
Mein geliebter einziger Freund!
Draußen ist ein verlockend schönes Wetter und in der Nacht war ein unheimlicher Sturm. Ob Ihr noch ein wenig Nachurlaub macht? Die Fremd-Manuskripte warten gewiß gern noch etwas! – Hier vergehen die Tage in ihrer gleichförmigen Geschäftigkeit recht rasch und ich wundere mich, daß morgen schon eine Woche vergangen ist, seit Du kamst. – Inzwischen mache ich weiter Fortschritte und merke, wie so manche Bewegung schon selbstverständlich geworden ist. Aber mit der Hand an meinen Kopf zu kommen, ist nur mit Nachhilfe der linken möglich und ist jetzt das Hauptziel. – Heute hat Herr Dr. Heß zu mir gesagt, man habe die Absicht, mich in etwa 8–10 Tagen in einen Erholungsaufenthalt auf den Kümmelbacher zu überweisen. Das werde von der Klinik aus besorgt und ich würde von hier hingefahren. Über die geschäftliche Seite (Ortskrankenkkasse?) werde ich mich erkundigen. Du weißt aber, daß ja auch sonst reichlich Mittel dafür vorhanden sind!!
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Von den Schwestern Schwidtal kam eine Karte aus Leonberg, wo sie bei dem Bruder sind. Sie wollen auf der Rückreise wieder hier Station machen. Hedwig M. hat für mich geschrieben, wie es mit mir steht und ihnen anheim gestellt, ob sie auf eigne Faust in der "Rose" einkehren wollen. Sonst kam noch ein netter Brief von Frau Gramlich – oder schrieb ich das schon? Für den Geist hier im Zimmer vermisse ich sie recht. Ich lese viel Zeitung und würde auch wohl schon bessere Kost vertragen, aber die Augen werden müde dabei. – Daß ich den Zustand hier als "Gefängnis" empfinde, kann ich nicht sagen. Dazu bin ich noch zu hilfsbedürftig. Die Kräfte kommen nur langsam und so genieße ich die Ruhe und hänge mit dem Ausblick aus dem Fenster meinen Gedanken nach. Da meine ich dann, Du säßest noch hier neben meinem Bett. – Hoffentlich wirkt die Erholung von Hohfluh noch fühlbar nach! Grüße Susanne und Ida herzlich von mir, und sei Du selbst in Dankbarkeit und Liebe gegrüßt von
Deiner Käthe.