Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 23. September 1953 (Heidelberg)


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Heidelberg. 23.9.53
Mein lieber, einziger Freund!
Wie mögen die Examenstage verlaufen? Waren auch tüchtige Kandidaten dabei? Und bist Du auf dem Wege nicht etwa sehr in Sturm und Regen gekommen? Hier haben wir ganz enorme Güsse gehabt. Das sieht man vom Fenster ganz still beschaulich, aber draußen kann man bis auf die Haut naß werden. – Trotzdem sind die Schwestern Schwidtal, die vorgestern gegen Abend mich besuchten, ziemlich gnädig weggekommen. Sie waren gestern länger bei mir, und heut nur kurz und haben außerdem noch einen hübschen Weg über den Bierhelder etc. gemacht. Heute sind sie bei einer Bekannten, die von Kassel hierher zog. Am Freitag werden sie wohl heimreisen, wohnen in der [über der Zeile] "Rose".
Die sonstigen Besucher werden selten. Und da ich jetzt mehr aufstehen soll, ist eigentlich garkeine Zeit dafür, und ebenso kommt das Schreiben zu kurz, weil die "Familie" Oswald mit dem 3jährigen Mädel die Gegend blockiert. – Das Personal im Zimmer hat sich sehr verändert, nur wir 3 Alten hier in der Reihe
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| sind noch dieselben. Aber morgen wird meine Nachbarin nach Gaiberg heimkehren. Wer wir da hinkommen? Und wie lange werde ich noch in der Klinik bleiben? Die Bewegung des Armes nach rückwärts will keine rechten Fortschritte machen. Das käme immer noch von dem Haematom. Ich soll jetzt mit Heißluft behandelt werden und an Ringen im unteren Stockwerk üben, Sonderapparate hätten sie wieder abgeschafft, denn ich würde mich vor Gewaltsamkeit fürchten. Aufsein und Gehen ist keine Schwierigkeit, aber hie und da bin ich froh um einen Schluck Vialucein und den Kaffee nachmittags. – In der Zeitung las ich von dem Erziehungs- und Bildungsausschuß – und von Adenauers überraschendem Brief. Sonst habe ich keine neue Lektüre und finde auch, daß das Lesen die Augen angreift.
Mein Federhalter ist zum Füllen bei Hedwig Mathy und so muß ich mit Bleistift addressieren. Ich schreibe überhaupt eigentlich nur an Dich. Und die Karte an Susanne war geradeso nichtssagend wie diese Zeilen.
Gestern kam übrigens aus Godesberg von Hermanns Tochterx [li. Rand] x Helga die Ankündigung von der Geburt einer kleinen Tochter Angelika. Von Dieter haben sie seit einem telegr. Glückwunsch zum 13.7. keine Nachricht. —
Sobald ich sicher weiß, wann ich hier fortkomme, schreibe ich Dir. So nimmm für heut noch einmal Grüße von hier an Susanne und Ida, und für Dich noch besonders die Versicherung, daß ich auch an Schluß der siebenten Woche noch die nötige Geduld aufbringe. Es geht ja Andern <li. Rand> soviel schlechter! Und ich will mich bewähren!
<Kopf>
Wie immer Deine
Käthe.