Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 8. Oktober 1953 (Kümmelbacher Hof, Postkarte)


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Kümmelbacher Hof. – Donnerstag.
M. l. Fr. Eigentlich hatte ich gestern schon schreiben wollen, aber mit dem Eingewöhnen ging das nicht so schnell und ich war auch ungewöhnlich müde. Aber ich komme mit den Umständen immer besser zurecht und bedauere nur, daß der Himmel überwiegend trübe bleibt und keine Wärme spendet. Aber der Ofen im Zimmer benimmt sich jetzt besser und da die Ärztin mir Nachmittagskaffee erlaubt hat, ist auch meine Stimmung besser. Auch massiert bin ich, und morgen wird es wieder geschehen. Ohnehin wird durch eigne Bemühung die Beweglichkeit entschieden besser, aber zum Frisieren reicht sie noch nicht. Das macht mir sehr freundlich die Frau Rösler. – Gestern und Dienstag, nachdem Du fort warst, bin ich öfters ums Haus herumgeschlichen und habe auch die Tür in den Wald gefunden, aber da ist mir der Weg zu holprig. Das war er dort
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| auch früher, wie ich mich erinnere. Da zog ich vor auf der Terrasse hin und her zu gehen, wie wir auch zusammen. Es sind genau 125 Schritte. Besuch hatte ich nicht, aber einen Brief von Aenne, die sich meiner Fortschritte freut. – Am Samstag werde ich eine andere Mitbewohnerin bekommen.
Ich denke viel daran, ob Du gut gereist bist, und ob Dir alles auch die Geduldprobe, gut bekommen ist. Und schicke viele Grüße und Dir besonders Dank.
<li. Rand>
D. K.