Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 13./14. Oktober 1953 (Kümmelbacher Hof)


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Kümmelbacher Hof. 13.10.53
Zimmer No. 109.
Mein geliebter Freund!
Habe Dank für Deinen lieben Brief vom 11.10. der mir so ausführlich Auskunft über Deine Pläne gab. Jetzt, während ich von der Sonne beschienen im kleinen Einzelzimmer sitze, fährst Du also bereits nach Bremen. Ich werde mit recht dringenden Wunsche versuchen, die endlose Länge der Verhandlungen abzukürzen. Sind es nicht überhaupt mehr Verhandlungstage als sonst? – Daß Du den kleinen Scholz besuchen willst, ist so lieb wie Du immer bist, und ich denke dabei des Vaters, dessen Andenken in mir stets lebendig ist. –
Wie sich unser Zusammentreffen hier gestalten läßt, wird natürlich in erster Linie von Deinen Kräften abhängen. Das höchst angenehme Zimmerchen hier werde ich, wie Du schon schreibst, mit Zuzahlung bis zum 19. sicher innehaben. Ob es ratsam ist, noch auf länger, wird wohl von meinem Befinden abhängen. Auf alle Fälle hoffe ich, es bis zum
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| 21. sichern zu können, wenn auch dann der Preis nicht mehr um den Kassenbeitrag [über der Zeile] vermindert sein wird, sondern wahrscheinlich als Privatpatient [über der Zeile] (11 DM) gerechnet wird, mit allerlei Nebenkosten. Aber Du weißt ja, daß das ohne jede Schwierigkeit aus den Ersparnissen geht, die mir immer eine peinliche Angelegenheit gegenüber der Städtischen Unterstützung waren.

14.10. Ich hoffe, daß mein Brief nach Tübingen Dich noch dort erreicht hat. Über den Vorschlag von Rösel Hecht werden wir dann wohl mündlich verhandeln. Ich habe augenblicklich den Eindruck, daß ich gern noch hier bleiben würde, denn mit den Kräften ist es noch nicht weit her, aber dann als Überleitung in das Civilleben ginge es auch gern einige Tage zu Rösel, die das Zimmer der Tochter frei hat. – Dies Zimmerchen 109 ist so wohltuend, daß ich ganz entzückt davon bin, und ich kann darin bleiben so lange ich will, muß nur rechtzeitig die Abreise melden.
Ich kann nur wünschen, daß es Dir ebenso gut geht, wie mir jetzt. Allerlei kleine Mängel
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| müssen wir ja jetzt alle beide in den Kauf nehmen.
Mit stiller Fürbitte gedenke ich stündlich an Dich und freue mich aufs Wiedersehen. Bei mir waren Frl. Reinhard, Hedwig M., und gestern Bertha van Anrooy allein, recht gemütlich. – Massiert wurde ich 3x und übe auch allein. Spazierengehen kommt jetzt nur noch am Nachmittag dran, denn auf dem Balkon ist den ganzen Tag Sonne bis 3 Uhr.
Sei innig gegrüßt und schone Deine Kräfte nach Möglichkeit im Gedenken an mich. Verzeih diesen geschmierten Brief, ich möchte ihn um ½ 1 mit herunter nehmen. – Das möchte ich noch fragen: Würdest Du am Dienstag hier im Hause mitessen? Man kann das morgens bestellen für das Mittagessen. Aber wie ich Dich kenne, bist Du nicht sehr dafür!?
Nochmals Lebewohl! In ständiger Vorfreude
Deine
Käthe.