Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 11./12. November 1953 (Heidelberg/Rohrbach)


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Heidelberg-Rohrbach.
11. Nov. 1953
Mein einziger Freund!
Seit ein paar Stunden sitze ich nun wieder in der Peterstraße und suche mich in der Behausung zurecht zu finden. Es ist mir etwas erstaunlich, wie fremd sie mir doch geworden war. Frau Wüst hat mich mit einer solchen Herzlichkeit empfangen, daß es mir wahrhaft wohlgetan hat und so wollen wir das Beste hoffen.
Jetzt muß ich Dir aber gleich einen Gruß schicken, ehe ich mich ins Bett lege. Ausführlicher berichte ich noch; heut nur die Meldung, daß die Zeit in der Wolfstraße durchaus erfreulich war, und etwaige Wolken sich immer rasch verteilten. Ein Segen ist dort auch die Anwesenheit von einem sehr vorzüglichen Menschenkind mit dem gänzlich unpassenden Namen Thusnelda, Thuschen Dilger, die ich besonders gern habe und die eine wundervoll ausgleichende Ruhe zu verbreiten
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| vermag. – Hier empfingen mich auch die drei Kinder sehr niedlich, und außerdem Briefe von Frau v. Fölkersamb, die bei Buttmis im Hause wohnt, von Hildegard Held, die im Begriff stand in das Stuttgarter Wilhelmspital zu gehen, um sich eine Gallenstein-Operation machen zu lassen. Möchte sie doch dadurch geheilt werden! Ferner fand ich einen Brief von Frau v. Löwis of Menar, die Bezug nahm auf die Freundschaft mit Paula Seitz, und darauf, daß Frl. Wahnschaffe sie mit Deinem Hamburger Goethe-Vortrag bekannt machte, und Du ihn ihr dann schicktest. "So spinnen sich die Fäden hin und her und bereichern in einer Zeit, die so viele Fäden zerrissen hat, das Leben" – und daß Fr. v. L. mich auch habe besuchen wollen, was mir Frl. Dr. Clauß schon sagte. Auch die Schwester Gretel v. Dusch ließ mich grüßen. – Das war doch ein lieber Empfang und außerdem wußte ich ja, wie Du mich auch in Gedanken suchen würdest, ob hier oder sonstwo! Und jetzt will ich schlafen, denn es war von früh an ein bewegter Tag. Gute Nacht!

Und wieder guten Morgen! Es geht mir ausreichend und alles ist nach Wunsch. Ich wollte, Du könntest es sehen! Der Vormittag war arbeitsreich, aber nach dem Essen in der Rose <Fuß S. 1> schlief ich tief und jetzt will ich für einige Minuten zu Buttmis. Bei allem aber denke ich Deiner <li. Rand + Kopf> und bin dankbar, daß Du mir zu solch gründlicher Erholung verhalfst. Ich grüße Euch alle drei, und hoffe, daß es Dir auch gutgeht. In treuer Liebe Deine Käthe.