Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 20. November 1953 (Heidelberg)


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<die S. 3 ist im Scan am re. Rand abgeschnitten und es fehlen bis zu vier Buchstaben>
Heidelberg. 20.XI.53.
Mein geliebter Freund!
Es ist noch keine richtige Ordnung in meinem häuslichen Tageslauf, aber das soll nun besser werden. Aus Rücksicht kommt Frau Wüst so spät zum Heizen, weil sie meinen Schlaf nicht stören will und ich wieder warte – aus Rücksicht. Also fehlt es nur an der nötigen Verständigung. Es ist sonst alles im besten Einverständnis.
Die Tage sind noch immer herbstlich, ohne eigentliche Kälte; und ich gehe regelmäßig an die Luft; aber ohne Ziel. Einmal war ich bei der netten Bauersfrau in Kirchheim, und fuhr von dort mit der Elektrischen zurück. Das ist mir noch eine Art "Unternehmen". Sonst ereignet sich garnichts. Aber die Gedanken sind beweglicher und nehmen teil an dem
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| Geschehen in der Welt, an der Verfassungsfeier; heut weiß ich Dich mit Wenke auch in Stuttgart (aber bei welchem Minister? Kultus?) und morgen wieder Stuttgart DFG! Ob Du am Mittwoch in Reutlingen etwas erreichen konntest? Hier war strenger Feiertag. — Und mit Sorge denke ich an Berlin. Wie glatt ist da alles bei "uns" gegangen! Denn "wir" gehören nun doch wieder auch politisch zusammen!
Hoffentlich hattest Du nicht auf die Anfrage nach der Frau Becker auf alle Fälle eine rasche Antwort erwartet. Du schriebst: wenn sie in Abt. 9c mit mir gewesen wäre, sollte ichs melden. Und Deine liebe Sendung kam am Montag ziemlich spät in eine große Auflösung hier hinein und ich legte das Päckchen für eine ruhige Stunde zurück, wenn die Kohlen im Keller, Frau Dörsam fort und das Mittagessen vorbei sei. Dann aber mußte ich erst noch
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| schlafen, denn die Müdigkeit ist noch immer überwältigend. – Meine Karte muß mit der Post am Dienstag früh um 7 Uhr abgegangen sein; aber ob sie am Bußtag zur ersten Post schon bei Euch war? Das hat mich beunruhigt.
Umso beglückender aber war es, daß Du so unvermutet meine Bitte erfülltest, mir das wunderbar lebensvolle Buch zum Lesen zu geben. Ich bin sehr sorgsam dabei, sowohl bei der äußeren Behandlung, als bei der Lektüre. Es ist so gehaltvoll, daß man es nicht rasch durchfliegen kann. Man ist bis in die Tiefe bewegt. Noch bin ich erst im ersten Drittel. —
Heut abend werden Frl. Reinhard und Dr. Matussek kommen. Und am Montag hoffe ich auf Hedwig Mathy. Am Sonntagvormittag denke ich Buttmis zu besuchen, und eventuell Heinrichs. –  – Zum Essen bin ich nur 3x in der Rose gewesen. Sonst habe ich mir selbst gekocht, was ich gern wollte, und auch Frau Wüst hat mir was Gutes beigesteuert! Ich vermute,
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| daß sie mir zeigen will, ich könnte auch bei ihr gelegentlich versorgt werden.
Soviel ich mich erinnere, hast Du mir nicht geschrieben, wo der Vortrag am Montag sein wird? In Tübingen? oder Stuttgart? Ich werde von Herzen dabei sein, und wünsche Dir viele verständnisvolle Zuhörer.
Jetzt aber soll der Brief noch in den Kasten und Dich noch vor dem Sonntag erreichen. Mögest Du in Ruhe die Vorbereitung der Rede für den Montag vollenden können und innere Befriedigung davon haben, im Gefühl einer lebendigen Wirksamkeit.
Vielen innigen Dank für Päckchen und liebe Briefe, und herzliche Grüße auch an Susanne und Ida.
Immer in treuer Liebe
Deine
Käthe.