Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 26./27. November 1953 (Heidelberg)


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<die S. 3 ist im Scan am re. Rand abgeschnitten und es fehlen bis zu drei Buchstaben>
Heidelberg, 26. Nov. 1953.
Mein geliebter Freund!
Nun war also am Montag wirklich der Vortrag, von dem ich Mancherlei gehört hatte, aber leider garnichts Genaueres über die Stunde und eventuelle Übertragung im Radio. Hedwig Mathy war von Mittag an bei mir und hatte eine unbestimmte Anzeige darüber mit Nennung Deines Namens gelesen, aber sie und Franzens, die ja [über der Zeile] beide einen Apparat haben, konnten nichts Genaues feststellen. So blieb es für mich beim Drandenken! Ich hoffe nur von Herzen, daß es keine zu große Anstrengung für Dich gewesen sein möge. Ich weiß ja von früher, daß die Erregung und Sorge vorher für Dich notwendig zum Gelingen dazugehören. Aber ich möchte doch eigentlich wünschen, daß Dir
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| solche nervöse Besorgnis erspart bleiben möchte. Wie oft sind doch unsre Befürchtungen unnötig und vor allem in solchem Falle!
Es war aber überhaupt eine solche Häufung von anstrengenden Tagen, daß ich auch in der Ferne es lebhaft mitfühlte. Welches war denn nun aber die 5. Fahrt nach Stuttgart? Das ist mir nicht klar geworden.
Auch hier war sehr viel Nebel, aber doch häufig Sonne um die Mittagsstunde. Aber mein Zimmer ist immer schön warm und ich habe es sehr bequem. Für das Mittagessen sorgt Frau Wüst und ich wehre mich vorläufig nicht. Aber es soll kein Dauerzustand werden.
Wie betrübend ist doch der Unfall in Kronberg. Solchen Eindruck wird das Kind sehr lange nicht überwinden. Hoffentlich trug die alte Dame keinen bleibende Schaden davon! Ich habe jetzt schon von so viel ärgerem Mißgeschick andrer Leute gehört, daß mir mein
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| Armbruch daneben recht unbedeutend erscheint und daß ich nun wieder gesund zu sein habe! Die Schonzeit ist wirklich unverhältnismäßig lang.

Freitag. 27. Nov. Trotzdem habe ich immer noch ein abscheuliches Schlafbedürfnis, und alle Leute tun, als wäre das selbstverständlich. Aber ich freue mich, mal etwas zu unternehmen, und da Du immer so sehr gegen das Ausgehen bei Dunkelheit bist, habe ich es heut vormittag getan. Ich hatte mich nämlich mit Hedwig Mathy verabredet, mich mit ihr heute im Kunstverein zu treffen. Es war dort auch in der Tat eine höchst interessante Ausstellung, deren Besprechung in der Zeitung nicht zu viel versprochen hatte. Es waren Bilder und Zeichnungen von dem Maler und Dichter Joachim Ringelnatz. Er bannt Stimmungen und Tatsachen mit sehr subjektiven Mitteln zu zwingendem Ausdruck; modern ohne Übertreibung.
Aber ich habe nun doch nach dem Essen zu
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| lange geschlafen und will nur diesen Zettel noch zur Post bringen, damit er am Sonnabend noch ankommt.
Wenn ich nicht etwa durch Besuch gehindert werde, schreibe ich bald wieder. Ich muß Dir doch auch von dem großen Eindruck berichten, den mir das schöne Buch macht, das Du mir geliehen hast.
Heut nur noch die innigsten Grüße und eine Anfrage nach Deinem Befinden. Denn Deine besorgte Stimmung teilt sich mir doch immer etwas mit, wenn ich auch weiß, daß sie mehr nervös als wirklich begründet ist.
Grüße Susanne herzlich und wünsche Ida gute Besserung. — Wie kommt es denn, daß Du am 3. Dez. über Heidelberg reisen kannst? Ich zähle die Tage in stiller Vorfreude!
Deine
Käthe.