Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 23. Dezember 1953 (Heidelberg)


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Heidelberg. 23. Dez. 53.
Mein geliebter Freund!
Nun ist das Weihnachtsfest doch viel zu schnell herbei gekommen und ich habe nichts von dem vorbereitet, was ich im Sinn hatte. Du aber hast mich mit Deiner lieben "Zwischenkarte" wieder so verwöhnt, daß mir doch weihnachtlich im Gemüt ist; und noch mehr ist es mir eine Freude, daß Du in Deinem Brief vom 13.XII. schreibst, es sei eine unverkennbare Besserung in Deinem Befinden. Da sorge doch ja, daß es standhält! Schmerzlich aber ist es mir, daß Du zum Heiligabend nicht mal ein Lebenszeichen von mir haben
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| wirst. Wie meine Gedanken immer bei Dir sind, das weißt Du; das bedarf keiner Versicherung, das steht fest, wie alles zwischen uns. Wie tröstlich ist mir dieses Wort auf Deinem Schreiben im voraus, als wenn Du meine Langsamkeit schon gewußt hättest. Es ist mir wie ein schwacher Abglanz Deiner vielen Besucher, die Dich oft behindern, was ich gerade auch in diesen Tagen erlebte. Immer wurde ich aus irgend einem Grunde von meinem Schreibeplatz am Mitteltisch aufgestört, denn da spielt sich doch immer alles ab, und ich muß Ordnung machen.
Ich bin auch so merkwürdig behindert in allem Vorhaben, nur an Susanne und Hermann habe ich bisher geschrieben. So hast Du wenigstens einen indirekten Gruß!
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Vor einigen Tagen war ich endlich mal bei Heraucourts (die übers Fest in Tiefental bei Tochter und Enkeln sind,) und anschließend in der Chirurgischen Klinik, wo ich sehr freundlich aufgenommen wurde. Aber von den Ärzten traf ich leider niemand. –  –
Heut vormittag hatte ich schon einmal angefangen zu schreiben, da kam Frl. Ingold; und jetzt hatte ich den neuen Bogen angefangen, da kam Gundel Buttmi mit einer durchreisenden Cousine und brachte Wermut und Kuchen! 2 Flaschen Rotwein sind schon da und gestern brachten Frl. Reinhard und Matussek auch was Alkoholisches; viele Päckchen sind gekommen, kurz, man überschüttet mich mit Liebesgaben. Und ich bin mit leeren Händen! Nur etwas ist noch glücklich rechtzeitig
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| bei mir eingetroffen, was ich gern verschenken wollte: einige Exemplare der neuen Drucksachen von Dir: denn ich lasse doch so gern auch Andere teilnehmen an dem, was mir so wertvoll ist. So kann ich doch ein klein Weniges durch Dich tun, um auch Freude zu machen.
Ich werde, so viel ich kann, suchen still für mich zu sein. Es wird Unruhe genug geben. Morgen (24.) soll ich die Bescherung der Kinder miterleben. Am 1. Feiertag wird Annemarie E. von 14–19 Uhr hier sein. Am 2. werde ich erwartet bei Franzens (mit Hedwig) und zwar zum Essen und Nachmittag und am Sonntag ebenso bei Heinrichs. Aber abends werde ich für mich sein, und an dem immer erneuten Rückblick auf den unvergänglichen Reichtum, den mir das Leben schenkte, neue Kraft zu gewinnen suchen.
Da werde ich voll Dankbarkeit bei Dir sein und auch auf den 8. Januar hoffen!
Mit innigen Wünschen für Dein Ergehen in treuer Liebe
Deine
Käthe.