Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 29. Dezember 1953 (Heidelberg)


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Heidelberg. 29. Dez. 1953
Mein einziger Freund!
Wenn ich wie Du die Fähigkeit hätte, solch inhaltvolle Karten zu schreiben, dann wäre dies auch eine Karte, denn ich möchte so gern, daß zu Neujahr ein sichtbarer Ausdruck meiner treuen Wünsche für Euch in Tübingen ist. Auch der Dank für Deinen lieben Brief vom 22., und ebenso wie der für Susannes großes Geschenk und ihr liebes Schreiben hat nur das unsichtbare Echo in meinem Herzen gefunden. Aber da ist es fortwährend gegenwärtig und mein Dank wird ganz gewiß bald kommen. Sage ihr das, bitte, und habe Du Nachsicht mit meiner Langsamkeit! Denn auch der Kalender wird leider nicht pünktlich sein. Geplant und begonnen war er längst, aber Dunkelheit der letzten Wochen lähmte mich, und dazu
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| kam meine Vergnügungssucht, die mich all die freundlichen Einladungen zu netten Menschen nicht ablehnen ließ. Das hat natürlich viele Stunden gekostet, die ich noch lieber anders verwertet hätte. Es hat immer noch recht wenig in meinem Tageslauf Platz, und meine Unternehmungslust erlahmt sehr rasch. Aber ich glaube doch, daß ich täglich kleine Fortschritte mache und bin sehr dankbar dafür. Mehr aber noch für all die Teilnahme und Liebe, die mir um des angeblichen "Mißgeschicks" willen erwiesen wird. Ich habe unendlich viel mehr Gutes gewonnen.
Über allem aber steht die Gewißheit der höheren Führung, die mich Dich finden ließ und durch Dich und mit Dir — den unbekannten Gott. Er behüte Dich, Dein segenvolles Wirken und alles, was Dein Leben warm und freundig macht.
Viele Grüße auch an Susanne und Ida.
In alle Ewigkeit getreu
Deine
Käthe.