Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 5. Februar 1954 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

5.II.54.
Meine geliebte Freundin  !   Heute werde ich nur dieses kleine Blättchen beschreiben können, wenn Du noch vor Sonntag eine Nachricht von mir erhalten sollst. Zunächst die Feststellung: Dein Brief vom 3.II. ist heute mit der Morgenpost eingetroffen
Herrn Dr. Matussek hatten wir schon mit Hilfe von Butnandt an seinem Institut aufgespürt. Eigentliche wollten wir ihn zu Sonntag Nachm. einladen; aber das muß leider wegen der ständigen Zeitbedrängnis noch verschoben werden. [] (Er soll vorher keinen Besuch machen.
Wir haben am letzten Samstag das Wenkesche Universitätsfest mitgemacht. Das Auftreten einer sprühenden Schweizer Kabarettkünstlerin war ein guter Gedanke. Die Dame Attenhofer war wirklich voll von Geist. Sonst habe ich von der Sache wieder nicht viel gehabt. Denn der Rektor hatte mich dem Minister attachiert, mit dem ich sehr schwierige Dinge zu erörtern hatte. Außerdem saß ich mit dem Blick gegen die weiße Wand und habe also vom
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| Tanzen und den Anwesenden nicht viel gesehen. Wir kamen sehr spät nach Hause.
Am Montag folgte auf das um 20 Uhr schließende Seminar eine ebenfalls sehr schwierige Kommissionssitzung (Korporationsfragen), die bis 23½ dauerte. Mittwoch habe ich in Herrenberg bei über 12° Kälte einen Vortrag gehalten. Es waren trotzdem über 250 Leute da. Die Fahrt im wohlgeheizten Auto bei guter Verpackung dauerte nur 25 Minuten und war nicht schlimm. Gestern war wieder eine Sitzung in gleicher Angelegenheit von 2½ Stunden. Du kannst Dir vorstellen, daß die – auch vom Amt allein diktierten – Arbeiten nur noch in wenigen Morgenstunden erledigt werden können. Heute sind wir – seit 10 Tagen zum ersten Mal – wieder ein wenig spazieren gegangen. Wenn kein so schlimmer Wind ist, bekommt mir die Kälte ganz gut. Ich fühle mich wesentlich kräftiger als im Sommer.
Es beruhigt mich, daß der Ofen bei Dir dauernd brennt. Du wirst ja beim Wechsel von Warm zu Kalt und dem eigentlich gefährlicheren von Kalt zu Warm immer recht vorsichtig sein. Der Frühling wird schon manchmal spürbar. Die Dunkelheit mindestens dauert nicht so lange. Mein Zimmer ist bei reichlichem Heizen stets warm genug.
<li. Rand> 1. Ep. Joh. 3,20 werde ich heute Abend nachsehen. Hier muß ich nämlich schließen. Wenn das Blatt um 19.45 in den Kasten kommt, muß es eigentlich morgen Nachm. bei Dir sein. Susanne und <re. Rand> Ida grüßen herzlich. Ich wünsche Dir nur Warmes, nichts Kaltes.
Innigst Dein
Eduard.

[li. Rand S. 1] Der große Hemingway ist hier leider nicht vorhanden