Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 12. Februar 1954 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

12.II.54.
Meine geliebte Freundin!
Heute Nachm. um 3 ist Meinecke auf dem Friedhof der kleinen Dahlemer Kirche beerdigt worden. Frau Meinecke hatte uns von den letzten Stunden und dem Ende handschriftlich Mitteilung gemacht (Am Hirschsprung 13.)
Hier sind recht unruhige und eigentlich unerfreuliche Tage. Wenke ist entschlossen, als Kultussenator nach Hamburg zu gehen, will sich aber hier nur beurlauben lassen – voraussichtlich auf 4 Jahre. Wer ihn vertreten soll, ist noch unbestimmt. Es sind Maßnahmen versucht worden, die außer aller akademischen Ordnung liegen. Nun drängt mich unser Dekan, sozusagen wieder einzutreten. Das kommt schon aus Kraftgründen garnicht in Frage. Man kann sich aber auch nicht zweimal die seelische Qual des Ausscheidens zumuten.
Der ganze Zustand ist jammervoll. In meinen Fächern sind z. Z. ein Ordinariat und zwei planmäßige Extraordinariate unbesetzt – vermutlich doch bis zum Herbst. Wenn Wenke nun
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| auch geht, so bleibt ein (seltsamer) Mann und 1 Privatdozent übrig. Ich bin auch mit dem Entschluß von W. im Grunde nicht einverstanden. Die ethische Freiheit des Hochschullehrers sollte er nicht aufgeben.
Im Zusammenhang mit diesen Umständen sind Sitzungen über Sitzungen. Ich komme zu gar keiner eigenen Arbeit mehr. Morgen muß ich von 9 bis ca 14 in Stuttgart sein – auch zu Besprechungen. Am Sonntag Abend rede ich vor Studenten etc. im Schlatterhause über das Thema: "Aus m. Leben." Aber ganz anders als in Stuttgart. Montag ist Seminar, Dienstag Nachm. bei uns Studentengesellschaft. Donnerstag früh fahre ich nach München, Hôtel Schottenhaml [über der Zeile] hamel. Die Sitzungen dauern von Donnerstag Mittag bis Samstag Abend. Am Sonntag vorm. hoffe ich Frau Kerschensteiner endlich wiederzusehen. Unter diesen Umständen wirst Du umsichtig mit Kartengrüßen vorlieb nehmen müssen.
Auf den kleinen Beitrag zur Heuß-Festschrift, den ich Dir gesandt habe, ist er brieflich sehr liebenswürdig und ausführlich eingegangen.
Heute war es hier fast frühlingsmäßig. Wir sind in dem "Waldkaffee Spitzberg" gewesen. Seitdem mache ich Zettel für Sonntag.
Susanne will ihren Geburtstag in Alpirsbach verleben. Wie viel Ruhe hatten wir doch, als ich noch <gestrichenes unleserliches Wort> im Amte war!
<li. Rand> Dank für den Hemingway-Artikel. Ich hoffe, bald zu hören, wie es Dir geht. Wenn es milder wird – es soll aber noch nicht so bleiben – darf man keine anstrengenden Spaziergänge machen!! Ob Dein Zimmer nicht <re. Rand> wieder feucht wird nach der Kälte?
Matussek muß leider wieder hinausgeschoben werden.
Susanne u. Ida grüßen herzlich. Ich habe Verlangen einmal wieder in Heidelberg zu sein. Innigst Dein Eduard.