Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 12. Mai 1954 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

12. Mai 54.
Meine geliebte Freundin!
Dies wird nur ein Zettel werden. Ich habe mich gefreut, zu lesen, daß der üble Stimmritzenkrampf schnell bekämpft werden konnte. Auch sonst hoffe ich Dich im vollen Genuß des Frühlings, der endlich am 1. Eisheiligen gekommen ist!
Hier sind mittlerweile beide Seminare eröffnet worden, jedes mit über 30 Teilnehmern, was viel zu viel ist. Die zweite Pestalozzisitzung zeigte gleich, was für eine Mühe dazu gehört, die Volksschullehrermentalität wieder auszutreiben. Eigentlich ist es unmöglich, wenn man sich auch noch so sehr anstrengt. Der Semesteranfang bringt natürlich auch sonst viel Krawall. Aber am Samstag waren wir zu der Autofahrt mit dem Augenarztpaar in Eßlingen. Es war noch eisekalt. Wir fuhren ins Ramstal hinüber und landeten in dem berühmten Weinort Stetten. Viel habe ich davon nicht mehr – denn selbst ¼ außer der Zeit ist bedenklich. Die Gegend ist nett, aber nichts Besonderes.
Am Sonntag habe ich – ganz unge
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|stört von außen, den Meineckenachruf für den 31. Mai aus m. Riesenmaterial gestaltet. (20 Min Zeit steht zur Verfügung.) Am Montag habe ich ihn noch einmal durchgearbeitet. Bis auf Kleinigkeiten ist er fertig. Nun folgt der größere, aber leichtere Vortrag für den 21. Mai, "Studium und Lebensführung".
Merke gut auf beim folgenden Programm: Samstag 15.V. bin ich den ganzen Tag zum Präsidium der DFG in Stuttgart. Freitag den 21. Mai, wenige Stunden nach der Rede, muß ich nach Mainz fahren: Senatssitzung der DFG. Von dort reise ich schon [über der zeile] Samstag 20 Uhr wieder ab. Ich will in Heidelberg übernachten, habe schon bei Rodrian angefragt. Sonntag Vorm. u. zu Mittag könnten wir dann zusammen sein. Aber ich möchte früh hier ankommen. Denn das ganze Unternehmen ist sehr anstrengend, und bei mir ist nie mehr ein Überschuß. Vielmehr immer die Sorge: Wird es noch gehn?
Nieschling besuche ich jeden Tag. Die Operation des rechten Auges wird immer wieder hinausgeschoben. Jetzt gehe ich wieder hinauf, und dann muß ich nach Hohenzollern schreiben.
In 10 Tagen also hoffentlich auf Wiedersehen! Suche Fliederbüsche auf, die an Pankow erinnern (der Pastor von Schönwalde hat mal wieder geschrieben.)
<li. Rand> Laß Dich nicht von "langen" Besuchern ermüden!
Viele Grüße von der ganzen Sippschaft. Innigst Dein
Eduard

[re. Rand] Das Knie wird besser, bisher aber auch nicht schlechter

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Eine Frage am Rande: Am 27.12.53 waren wir in Bad Boll mit einem angenehmen jungen Mann, der zur Akademie gehört, zusammen, namens Weber. Er fuhr uns im Auto nach Göppingen; seine Frau war dabei. Vierzehn Tage später erfuhren wir indirekt, daß sie gestorben sei. Aus einem Brief, den ich neuerdings von Weber aus Kassel, (wo er bei seinen Schwiegereltern war), erhalten habe, scheint hervorzugehen, daß sie eine geborene v. Gontard war. Ist nicht auch Anna Weise eine Gontard? Und bist Du mit denen verwandt?