Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 9. August 1954 (Rorschach, Postkarte)


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Rorschach, den 9. August 54.  M.L!
Gestern, am trüben Gedenktage, sind wir um 8 bei gutem Wetter abgefahren und waren, via Konstanz, um 14 Uhr in Rorschach. Um 16 Uhr fuhren wir nach Heiden hinauf und sondierten das Terrain. Es hat sich wenig verändert, abgesehen von ein paar Privatbauten. Unter den Hotels gefiel am besten die "Linde". Wir sind aber ausquartiert, 3 Häuser weiter, wo kein Autoverkehr ist. Daher empfiehlt sich die umstehende Adresse. Es fing schon gestern Abend an zu regnen. Abends übernachteten wir noch im "Anker" hier, wo ein rasender Radau ist. Erst morgen um 10 fahren wir nach Heiden hinauf. Heute setzte um 11 ein Regen ein, der noch lange zu dauern verspricht. Zeitweise waren See und Wolken nicht zu unterscheiden. Alles farblos, labbrig und wässerig – warm. Auch die Reichenau gestern beim Vorbeifahren gänzlich stimmungslos.
Geht es Frau Héraucourt ein bißchen besser? – Vom 12.8. an wirst Du Dich leider selbst behelfen
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| müssen. Bevorzuge doch die ganz nahen Lokale. Sonst geht es vielleicht einmal mit einem Rührei und ein paar Würstchen. Laß die Monatsfrau, wenn es geht, ein paar mal öfter kommen. Ist Frl. Mathy wieder da?
Ich habe vor der Abreise sehr viel Post erledigt. Der Geburtstagskasten mit seinen 150 Stück ist ganz leer, und alles einigermaßen aufgeräumt. <li. Rand> Am Samstag war noch Wenke da.
<li. Rand S. 1> Wir beide – zwei geduldig Reisende, grüßen Dich herzlich. Willst Du ein Übriges tun, gratuliere bitte Ida am 15.8. zu ihrem Geburtstag.
<re. Rand S. 1> Dr. Schramm: kein Stabilitätszustand, sondern Labilitätszustand. Schonungstherapie, nicht Übungstherapie